1. Nachrichten
  2. Panorama

Tragischer Löwen-Tod in Leipzig

Tragischer Löwen-Tod in Leipzig

Sie wollten ihn eigentlich nur betäuben. Aber die Narkose wirkte offenbar nicht. Die Situation geriet außer Kontrolle. Also erschossen Zoo-Mitarbeiter in Leipzig gestern einen von zwei ausgebrochenen Löwen.

Als der Leipziger Zoo-Direktor Jörg Junhold gestern Nachmittag Auskünfte zum Ausbruch zweier Löwen geben wollte, schien die Situation unter Kontrolle. Ein Tier sei mit einem Zaun ins Gehege zurückgedrängt, beim zweiten sei eine Narkose gesetzt worden. Doch dann wird Junhold aus dem Raum gerufen. Als er kurz darauf zurückkehrt, ist er sichtlich betroffen. Der zweite Löwe sei erschossen worden. "Das ist ein sehr, sehr trauriger Ausgang, den ich so nicht erhofft habe", sagt Junhold.

Majo und Motshegetsi waren gestern morgen aus ihrem Freigehege ausgebrochen. Wie die beiden anderthalbjährigen Etoscha-Löwen das geschafft haben, sei noch unklar, sagt Junhold. "Das hat uns alle überrascht. Die Löwen-Savanne ist erprobt. Sie ist seit 15 Jahren in Betrieb. Natürlich gehen wir davon aus, dass sie sicher ist." Der Zoo blieb danach zunächst geschlossen, ein Notfallplan wurde in Gang gesetzt.

Für Besucher habe keinerlei Gefahr bestanden, betont Junhold. Die Löwen entkamen gegen 8.40 Uhr aus der Anlage - also noch vor der Öffnung des Zoos. Auch Pfleger und Zoo-Mitarbeiter seien nicht gefährdet gewesen. Majo und Motshegetsi hätten sich verängstigt in ein Gebüsch unweit der Löwen-Savanne zurückgezogen und seien mit Zäunen und Fahrzeugen eingekesselt worden.

Zunächst schien die Situation denn auch unter Kontrolle zu sein. Der Löwe sollte mit einem Narkosegewehr betäubt werden. Doch die Narkose habe offenbar bei Motshegetsi nicht gewirkt. Dieser habe die Absperrungen durchbrochen. Die Situation drohte zu eskalieren. Also sei die Entscheidung getroffen worden, das Tier zu töten. "In dem Fall geht die menschliche Sicherheit vor", sagt Junhold. Im Zoo Leipzig habe es in den vergangenen Jahren keinen Raubtierausbruch gegeben, sagt er. Majo und Motshegetsi lebten erst seit August in Leipzig . Die beiden waren aus Basel gekommen. Mit ihnen sollte eine neue Zucht beginnen.

Der Deutsche Tierschutzbund forderte nach dem Ausbruch der Löwen und der Tötung eines Tiers Aufklärung. Auch müsse der Zoo seine Sicherheitsvorkehrungen auf den Prüfstand stellen, damit sich ein solches Ereignis in Zukunft nicht wiederhole. "Wenn die Tiere schon in Gefangenschaft gehalten werden, so müssen die jeweiligen Einrichtungen auch die notwendigen Vorkehrungen treffen, um jegliche Verletzungs- und Ausbruchsgefahr auszuschließen, zum Schutz der Tiere und der Besucher", erklärte Tierschutzbund-Präsident Thomas Schröder.