Touristen in tiefer Trauer

Pöcking. So mancher Bürger der Gemeinde Pöcking am Starnberger See nimmt jetzt erst wahr, dass in seinem Ort eine Person von historischer Dimension gewohnt hat. In der Kirche Sankt Ulrich ist seit gestern Mittag der Leichnam Otto von Habsburgs aufgebahrt

 Um sich vom verstorbenen Otto von Habsburg persönlich zu verabschieden, pilgern derzeit Scharen von Trauernden in die Sankt-Ulrich-Kirche in Pöcking. Dort ist der Leichnam aufgebahrt. Foto: dpa

Um sich vom verstorbenen Otto von Habsburg persönlich zu verabschieden, pilgern derzeit Scharen von Trauernden in die Sankt-Ulrich-Kirche in Pöcking. Dort ist der Leichnam aufgebahrt. Foto: dpa

Pöcking. So mancher Bürger der Gemeinde Pöcking am Starnberger See nimmt jetzt erst wahr, dass in seinem Ort eine Person von historischer Dimension gewohnt hat. In der Kirche Sankt Ulrich ist seit gestern Mittag der Leichnam Otto von Habsburgs aufgebahrt. Bis Samstag erwartet die Familie Tausende von Besuchern aus ganz Europa, die sich vom ältesten Sohn des letzten österreichischen Kaiserpaares verabschieden wollen.Seit 1954 bewohnte die Familie Habsburg-Lothringen, deren Oberhaupt Otto von Habsburg bis 2006 war, eine vornehme alte Villa inmitten des wohlhabenden Ortes. Die "Villa Austria" wurde bereits unter diesem Namen 1870 von einem australischen Opernsänger erbaut. In ihrem ersten Stock umgeben von uraltem Baumbestand verstarb am vergangenen Montag Otto von Habsburg, Schriftsteller, Publizist und Politiker, im gesegneten Alter von 98 Jahren. Der Kaiserenkel sei friedlich im Kreise seiner Familie eingeschlafen, hieß es.

Einer der ersten, die nach der Todesnachricht in Pöcking erschienen, war der Salzburger Weihbischof Andreas Laun. "Leider zu spät" erschien der Geistliche, der etliche der sieben Kinder und 22 Enkel von Habsburgs getauft und gefirmt hat, am Starnberger See. Gestern hielt er das erste Totengedenken in der Aufbahrungskirche ab. Flankiert war der Sarg des kaiserlichen Österreichers mit einer Sargdecke mit dem Reichswappen, dem Familienwappen und dem Symbol der Paneuropa-Union. In die Sargdecke sind die Lodenmäntel der Kinder des Verstorbenen eingenäht. Die enge Hauptstraße vor der Kirche wurde eigens halbseitig gesperrt, um der Reihe der Trauergäste vor dem Eingang der kleinen Kirche Platz zu verschaffen.

Zur Totenwache in der Pöckinger Sankt-Ulrich-Kirche kommen vor allem Abordnungen aus Österreich, so die Schützenkompanie aus dem Tiroler Zirl und katholisch-österreichische Landsmannschaften wie die "Ostaricia" aus Innsbruck oder die "Maximiliana" aus Wien. Vor allem aber soll den oberbayerischen Mitbürgern von Habsburgs in Pöcking Gelegenheit zum Abschied gegeben werden. Der österreichische Thronfolger sei in seiner bayerischen Wahlheimat auch wegen seines bescheidenen Auftretens "hoch geachtet und sehr beliebt" gewesen, so seine Pressesprecherin Eva Demmerle.

Die Aufbahrung in der Pöckinger Kirche Sankt Ulrich markiert erst den Beginn der Trauerfeierlichkeiten für die historische Person Habsburgs, die sich über drei Länder erstrecken. Nach einem Requiem in der Pöckinger Hauptkirche Sankt Pius am kommenden Samstagnachmittag wird der Leichnam in der Münchner Theatinerkirche aufgebahrt, wo Erzbischof Reinhard Marx am kommenden Montag eine Totenmesse abhält.

Die Beisetzung Otto und Regina von Habsburgs in der Kapuzinergruft des Doms Sankt Stephan in Wien ist für den Nachmittag des 16. Juli vorgesehen. Die Urne des Verstorbenen wird am darauffolgenden Sonntag in der Benediktinerabtei Pannonhalma in Budapest beigesetzt. Der Fahrplan für die Trauerfeierlichkeiten um den letzten Kronprinzen ist schon seit geraumer Zeit festgelegt. Eine solche Serie an Veranstaltungen könne man "nicht einfach so aus dem Ärmel schütteln", hieß es in Pöcking.

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