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Tierschützer gegen Tätschel-Touristen

Tierschützer gegen Tätschel-Touristen

Eigentlich wilde Tiere hautnah erleben: diesen Nervenkitzel lassen Touristen sich etwa in Thailand einiges kosten. Das sei ein Spaß auf Kosten der Tiere, warnen Tierschützer zum heutigen Tag des Artenschutzes.

Ein Ritt auf einem Elefanten , das ist das Highlight vieler Thailand-Urlauber: oben in einem Korbsessel auf dem mächtigen Tier langsam durch den Dschungel wandeln. Wie gefährlich das in Wirklichkeit sein kann, zeigte jüngst wieder der tödliche Unfall eines Schotten: Vor den Augen seiner 16-jährigen Tochter warf das Tier den Mann im Januar auf der Ferieninsel Koh Samui ab, stach ihn den Stoßzahn in den Brustkorb und trampelte ihn zu Tode. Zum heutigen Internationalen Tag des Artenschutzes zählen Tierschützer in Thailand auf, was Menschen zum Schutz wilder Tiere lieber lassen sollten: der Ritt auf einem Elefanten fördere Tierquälerei und Wildschmuggel, sagen Tierschützer . "Die Tiere sind meist durch Überarbeitung und schlechte Arbeitsbedingungen gestresst", meint Sangduen Chailert, Gründerin der thailändischen Stiftung "Save Elephant". "Wilde Elefanten werden illegal gefangen und abgerichtet, um die lukrative Touristenindustrie zu bedienen", warnt Traffic, eine Organisation gegen Wildschmuggel. Es gebe nur noch 5000 wilde asiatische Elefanten in Thailand.

Selfies mit Tigern, damit kann man die Daheimgebliebenen vielleicht in heroischer Pose beeindrucken, aber die Tiere sind zu bedauern. Die Mönche am Tiger-Tempel, eine Stunde westlich von Bangkok , stellen sich zwar als Tierschützer dar, aber Journalisten haben sie dabei überführt, Tigerteile auf dem Schwarzmarkt feilzubieten. "Ein Foto mit Tiger trägt nicht zum Artenschutz bei", sagt Edwin Wiek, Gründer der thailändischen Wildlife-Friends-Stiftung. "Dieser Tempel handelt illegal mit wilden Tieren und züchtet sie nur zur Ausbeutung." Die Behörden haben schon versucht, die rund 150 Tiger zu entfernen, aber die Mönche wehren sich.

Auch Faultiere sollte man nach Ansicht der Tierschützer lieber nicht streicheln. Ein Blick in die großen Augen der putzigen Miniprimaten weckt in jedem Touristen den Beschützerinstinkt. Auch Popstar Rihanna postete 2013 ein Foto von sich mit einem Faulaffen von der Ferieninsel Phuket. Die nachtaktiven Tiere werden auf Märkten gerne gegen Geld für eine Tätschelrunde feilgeboten. "Sie mögen keine Menschen und sind erstarrt, weil sie in Panik sind", sagt Roger Lohanan von der Organisation "Thai Animal Guardians". "Es ist Tierquälerei , sie tagsüber hervorzuholen." Außerdem stünden sie auf der Liste der bedrohten Tiere des Artenschutzabkommens (Cites). "Es ist verboten, sie Touristen zum Halten anzubieten." Die Männer, die Rihanna den Faulaffen anboten, wurden nach Veröffentlichung des Fotos festgenommen und wegen Wildschmuggels verurteilt.

Auch Tauchen ist populär in Thailand, aber die Korallenbänke sind in gut 15 Jahren um die Hälfte geschrumpft. Problematisch ist zum einen die steigende Wassertemperatur, was den Algen auf den Korallen zusetzt. Werden sie abgestoßen, verlieren die Korallen ihre Farbenpracht. "Korallenbleiche ist ein Problem, aber es wird durch Touristen verschärft", sagt Meeresforscherin Suchana Chavanich. Taucher verletzten durch Berührungen oft die äußere Haut der Korallen , was zu Infektionen führen könne.