Stars made in Germany

Washington. Aufgepasst, Brad Pitt! Aus dem Weg, Nicole Kidman! Stars aus Deutschland erobern die USA. Sie schleichen auf samtigen Pfoten in die Herzen des Publikums, und manchmal auch auf saugnapfbesetzten Fangarmen. Heidi, das schielende Opossum aus dem Leipziger Zoo, ist die neueste Mediensensation in den Vereinigten Staaten

Washington. Aufgepasst, Brad Pitt! Aus dem Weg, Nicole Kidman! Stars aus Deutschland erobern die USA. Sie schleichen auf samtigen Pfoten in die Herzen des Publikums, und manchmal auch auf saugnapfbesetzten Fangarmen. Heidi, das schielende Opossum aus dem Leipziger Zoo, ist die neueste Mediensensation in den Vereinigten Staaten. Mit Namen wie Angela Merkel oder Guido Westerwelle können viele Amerikaner wenig anfangen. Das Opossum Heidi, der Eisbär Knut aus Berlin und das inzwischen verstorbene Oktopus-Orakel Paul aus dem Zoo von Oberhausen sind die wahren Stars aus Germany.Heidi kommt in dieser Woche ganz groß raus im US-Fernsehen. Der Star-Talker Jimmy Kimmel hat die Leipziger Beutelratte mit der markanten Augenfehlstellung für seine Late-Night-Show engagiert, um ihr Prognosen über die Oscar-Gewinner vom kommenden Sonntag zu entlocken.

"Heidi ist nur das jüngste Beispiel des Tierstar-Wahnsinns, der Deutschland in den vergangenen Jahren gepackt hat", kommentiert die Boulevardzeitung "New York Daily News", die den Geschichten um Heidi, Knut und Paul wie viele andere US-Medien viel Platz einräumt. Erstaunt stellt das Blatt fest: "Heidi hat inzwischen mehr als doppelt so viele Facebook-Freunde wie Angela Merkel." Das ist auch kein Wunder, findet sich doch selbst auf der Internet-Seite der deutschen Botschaft ein Link zu Heidis Facebook-Seite.

Der Rummel um die Zoo-Sensationen verrät einiges darüber, wie heute Stars gemacht werden: Über Internetseiten wie YouTube verbreiten sich die Bilder von Nutzer zu Nutzer, ehe dann ein weltweiter Medienrummel losbricht. Der Aufregung verrät aber auch einiges über die Bedürfnisse des Publikums. Es sind Bedürfnisse, mit deren Erfüllung Merkel, Westerwelle und Schäuble sich schwer tun. Ganz anders die Tiere: Knut? Der Eisbär-Junge aus Berlin bestach durch knuddelige Putzigkeit. Heidi? Ihr Schielen signalisiert Hilfsbedürftigkeit, die ans Herz geht. Paul? Seine Kennerschaft in Fußballfragen nährte Bewunderung.

Und so geben sich die USA ganz dem Zauber der neuen Stars aus Deutschland hin, wie sie es wohl seit Marlene Dietrichs Hollywood-Tagen nicht mehr getan haben. "Ein lieblicher weißer Wuschel, der die Welt verzaubert hat", flötete die hochseriöse "New York Times" über Knut. Alle großen TV-Sender berichteten, als Knut vor einigen Monaten ein Rendezvous mit einer Bärin im Zoo hatte. "Abgesehen von einem Tatzenhieb auf Knuts Nase lief das Treffen bewundernswert friedlich", informierte ABC News seine Zuschauer.