Stadionsprecher Udo Scholz, der den Bayern die Lederhosen auszog, wird 80

FCK-Ex-Stadionsprecher Udo Scholz wird 80 : Der den Bayern die Lederhosen auszog

Heute ist der Schlachtruf, den Udo Scholz Ende der 70er Jahre auf dem Kaiserslauterer Betzenberg erstmals anstimmte, ein Tribünenhit. Jetzt feiert der legendäre Stadionsprecher seinen 80. Geburtstag.

Der wohl bekannteste Schmähgesang im deutschen Fußball ist ein Zufallsprodukt. „Ich hatte Ende der 1970er Jahre Urlaub im bayerischen Murnau gemacht, als angeheiterte Burschen ins Lokal kamen“, erzählt Udo Scholz, damals Stadionsprecher des 1. FC Kaiserslautern. „Da einer eine kaputte Lederhose trug, sagte ein anderer: ‚Zieht‘s dem Buam die Lederhose aus.’ Das ging mir nicht aus dem Kopf.“

Als Scholz später das Beatles-Lied „Yellow Submarine“ im Radio hört, fügt sich Musik zum Text: „Zieht den Bayern die Lederhosen aus“. Wenige Wochen später gastiert der FC Bayern auf dem Betzenberg, und Scholz stimmt das Lied erstmals an. „Es kam gleich gut an“, berichtet er. Heute ist der Schlachtruf längst ein Tribünenhit.

„Das Lied war nie böse gemeint“, beteuert Scholz, der am Montag 80 Jahre alt wird. Er denke nicht, dass der FC Bayern ihm den Song übelnehme. Und augenzwinkernd fügt er hinzu: „Leider habe ich bis heute von den Bayern keine Lederhose bekommen. Dabei habe ich gedacht, der Uli (Hoeneß) schickt mir mal eine. Aber nix.“

Zwei Jahrzehnte lang – von 1973 bis 1994 – war der am 15. April 1939 in Brügge (Westfalen) geborene Scholz die „Stimme der Roten Teufel“. In diese Zeit fallen viele legendäre Spiele des FCK, etwa das 7:4 gegen Bayern München. Auch das 3:1 gegen den FC Barcelona hat er miterlebt, als das Gegentor in letzter Spielminute die Pfälzer aus dem Europapokal warf. „Da flossen bei mir Tränen“, erzählt er. „Die Leute sollen ruhig merken, dass da ein Mensch am Mikrofon sitzt.“

Mehr Menschlichkeit – das ist allgemein etwas, was Scholz vermisst im Profisport. „Der Fußball hat an Spielfreude verloren“, meint der Mann mit dem weißen Vollbart. Früher habe man mit den Ordnern im Stadion scherzen können, heute stehe da schwarz gekleidete Security. „Da wird jeder abgetastet, der normale Fan fühlt sich fast kriminalisiert.“

„Udo Scholz war, ist und bleibt eine Legende“, sagt der frühere Nationalspieler Hans-Peter Briegel, von 1975 bis 1984 in Diensten des 1. FC Kaiserslautern. Als Stadionsprecher habe Scholz durchaus schonmal Ärger mit dem DFB riskiert. „Wenn es nicht lief, rief er auf gehts – das sollten Sprecher nicht“, erzählt der 63-Jährige.

Der (Kur)Pfalz ist Scholz nach seiner Zeit auf dem Betzenberg treu geblieben: In Friedelsheim im Kreis Bad Dürkheim betrieb er bis vor kurzem eine Weinstube und sitzt im Gemeinderat, und seit 1994 arbeitet er auf der anderen Rhein-Seite als Eishockey-Hallensprecher der Adler Mannheim. „Mein erstes Spiel war eine Katastrophe“, schildert er und lacht. „Ich hatte doch kaum Ahnung vom Eishockey und zum Beispiel von Halbzeiten statt von Drittelpausen gesprochen.“

Die Rechte an „Zieht den Bayern die Lederhosen aus“ hat sich Scholz nie gesichert. „Das ging nicht, weil es kein ganzes Lied ist.“ Für ihn hat alles in Dortmund begonnen, wo der Westfale ab 1962/63 Stadionsprecher war. Dabei sah er unter anderem, wie der Dortmunder Friedel Rausch 1969 im Stadion von einem Polizeihund gebissen wurde.

Auch beim 1:0 der Bundesrepublik gegen Polen bei der WM 1974 in Frankfurt saß Scholz am Mikrofon. In Kaiserslautern revolutionierte er den Job als Sprecher. „Wir hatten nur drei Schallplatten und Tony Marshalls Tramps von der Pfalz rauf und runter gespielt“, erzählt er. „Da habe ich mal James Last aufgelegt – gleich war mehr los.“

Auch die Mannschaftsaufstellungen seien eher langweilig verkündet worden. „Da bin ich mit dem Mikrofon in die Kurve und habe die Vornamen der Spieler gelesen – die Fans haben die Nachnamen ergänzt. Das kam aus Amerika und war 1978/79 – später haben das alle gemacht.“ Irgendwann will sich Scholz vom Sport verabschieden. Vorerst aber sitzt er weiter mit Leidenschaft am Mikrofon. „Wenn ich ein Tor ansage, ist das für mich wie für den Papst der Segen Urbi et orbi.“

Mehr von Saarbrücker Zeitung