Sojamedaillons auf der Veggie-Wiesn

Sojamedaillons auf der Veggie-Wiesn

Sechs Millionen Besucher kommen alljährlich zum Oktoberfest in München, trinken tausende Hektoliter Bier und essen tonnenweise Fleisch. Aber auch auf der Wiesn weht nun erstmals veganer Wind.

Hendl, ganze Ochsen, Kälber und Würste von einem halben Meter Länge: Das Münchener Oktoberfest ist ein Schlaraffenland für Fleischesser. Aber die Zeiten ändern sich. Erstmals bieten zwei Wiesn-Wirte vegane Gerichte an. In der Enten- und Hühnerbraterei Ammer gibt es veganes Bio-Hühner-Frikassee. Im Herzkasperlzelt auf der Oidn Wiesn werden Sojamedaillons in Rahmsoße und vegane Käsespätzle serviert. Jeweils ohne Käse, Rahm oder Huhn. Im Fisch-Bäda-Zelt gibt es zudem veganen Rotwein, gefiltert ohne tierische Eiweiße. "Wenn die Leute veganes Essen auf der Wiesn haben wollen, sollen sie es bekommen", sagt Wiesnchef Dieter Reiter (SPD). Als Münchener Wirtschaftsreferent betrachtet er die Sache von der ökonomischen Seite. "Der Markt wird es schnell entscheiden, ob es auch nächstes Jahr veganes Essen gibt."

Der Vegetarierbund Deutschland (Vebu) sieht ein Signal für eine gesellschaftliche Veränderung. "Auch vegetarisch und vegan lebende Menschen feiern gern", sagt Vebu-Sprecherin Stephanie Stragies. Gerade die Gruppe der Veganer wächst. Sie essen im Unterschied zu Vegetariern auch keine Tierprodukte wie Milch und Eier. Rund 800 000 der sieben Millionen Vegetarier in Deutschland essen vegan, wie laut Stragies eine Studie ergab. "Es ist ein zunehmendes Bewusstsein da für die Themen, die sich damit verbinden: Umweltschutz, Klimaschutz, Gesundheit."

Den Anstoß für die veganen Wiesn-Gerichte gaben laut Claudia Trott, Geschäftsführerin beim Ammer, Veganer, die sich ihr Essen nicht immer in einer Frischhaltebox mitbringen wollten. Im Herzkasperlzelt war der Sohn von Wirt Beppi Bachmeier Ideengeber. Er lernt in einem veganen Restaurant in München Koch - und wendet sein Wissen nun auf dem Oktoberfest an. Der Sprecher der Wiesn-Wirte, Toni Roiderer, sieht nicht unbedingt Bedarf für vegetarische oder vegane Gerichte auf dem Oktoberfest. "Bier, Brezn, Radieserl, Radi - das ist wunderbar", sagt er. Roiderer und Wiesnchef Reiter verweisen darauf, dass auch das Bier vegan sei. "Insofern gibt es doch mehr Veganer auf der Wiesn als man denkt", so Reiter.

Das gilt aber eben nur bezogen aufs Bier. Mehr als eine halbe Million Hühner, 116 Ochsen, 85 Kälber, 115 000 Paar Schweinswürste und fast 59 000 Schweinshaxen landeten vergangenes Jahr auf den Tellern der Gäste. Übrig blieben 400 Tonnen Reste und Knochen. Ersatz für tierische Zutaten sind unter anderem Soja und pflanzliche Fette. Warum aber heißen Spätzle ohne Käse Käsespätzle und Frikassee ohne Huhn Hühner-Frikassee? Vielleicht, weil sich der Besucher sonst nicht vorstellen kann, was er auf dem Teller findet. Die Resonanz sei jedenfalls hervorragend, heißt es beim Ammer und beim Herzkasperlzelt. "Es wird toll angenommen", sagt Corinna Spitzer, die seit 17 Jahren auf der Wiesn bedient. Das Essen bestellen Veganer, Gäste mit Lactose-Intoleranz und Neugierige. "Sehr gut, fast wie Hühnerfleisch, nur weniger fasrig", sagt ein Esser. "Nur echtes Huhn schmeckt mehr nach Huhn."