Siri, Alexa und Co.: Warum sind fast alle Sprachassistenten weiblich?

Diskussionen um weibliche Sprachassistenten : Warum Siri und nicht Simon?

Die meisten Sprachassistenten hören auf weibliche Vornamen. Das könnte altmodische Geschlechterrollen bestärken.

Die Schauspielerin Maria Furtwängler räumt gerne mit altmodischen Rollenbildern auf. Ihr ist aufgefallen, dass die digitalen Assistenten aus Lautsprechern auf Alexa, Siri und Cortana hören – allesamt Frauennamen. „Ich frage mich, ob künstliche Intelligenz uns zu mehr Diversität verhilft oder gängige Stereotypen zementiert“, sagte Furtwängler kürzlich in einer Rede. Warum die Assistenzsysteme alle weiblich seien, fragte sie. „Sie könnten doch auch Hubert, Bernhard oder Yossi heißen!“

Ein Praxistest: Wenn man Siri, das Sprachsystem in Apples iPhones fragt, ob sie ein Mann oder eine Frau ist, sagt sie: „Lass dich durch meine Stimme nicht täuschen: Ich habe kein Geschlecht.“ Amazons Alexa hat hingegen eine eindeutige Antwort. Gefragt, ob sie eine Frau sei, antwortet der Lautsprecher: „Ich sehe mich als weiblich.“ Bei Google ist der Assistent namenlos.

Aber wieso eigentlich Siri, ein skandinavischer Frauenname? Und warum Alexa und nicht Alexander? Apple macht grundsätzlich keine Angaben dazu, welche Prozesse zu einem Produktnamen führen. Der Hersteller verweist aber darauf, dass Siri sowohl mit weiblicher als auch mit männlicher Stimme genutzt werden kann. Bei Amazon erklärt ein Sprecher, der Name Alexa komme von der Bibliothek Alexandria, einem Wissensuniversum. Bei Microsoft wiederum heißt es, Cortana verstehe sich nicht als ausdrücklich weiblich, sondern allgemein als Wesen.

Trotzdem: Alle Sprachassistenten klingen zumindest weiblich. Miriam Meckel, Professorin für Kommunikationsmanagement an der Universität St. Gallen, verweist auf eine Reihe von Studien, die zeigten, dass weibliche Stimmen als angenehmer wahrgenommen werden als männliche. Deshalb sei die Voreinstellung bei allen Sprachassistenten weiblich. Die Berliner Forscherin Judith Meinschaefer erklärt das ähnlich: „Frauenstimmen sind verständlicher als Männerstimmen.“ Das liege daran, dass die Stimmlippen schneller schwingen. Die Frequenz von Signalen sei höher.

Das Problem liegt für Meckel allerdings darin, dass die Sprachassistenten in Smartphones und vernetzten Lautsprechern eine Servicefunktion übernehmen, die im täglichen Umgang dadurch in vielen Fällen mit Frauen verbunden wird. „Da zunehmend auch Kinder im Umgang mit Alexa und Co. aufwachsen, kann das einen Einfluss auf das Geschlechterrollenverständnis einer Gesellschaft haben“, erklärt die Professorin.

Klangforscher Holger Schulz von der Universität Kopenhagen sieht das ähnlich. Er kritisierte, dass die weibliche Stimme in die Rolle einer Assistentin zurückgedrängt werde: „Sprachassistentinnen sind die digitalen Dienstmägde unserer Zeit.“

Besonders drastisch habe sich dieses Problem laut Meckel am Beispiel sexueller Belästigung gezeigt. „Tatsächlich müssen sich die Sprachassistenten da einiges anhören.“ Inzwischen arbeiteten die Hersteller daran, dass es darauf passende und nicht unangemessen höfliche Antworten gibt. Macht man Siri heute ein unmoralisches Angebot, hört man: „Die Antwort lautet nein.“

Dabei wurden bereits vor mehr als 25 Jahren die Weichen gestellt, um Frauen nicht grundsätzlich in die Rolle der digitalen Magd zu zwingen. 1992 führten der damalige Apple-Chef John Sculley und der Computerwissenschaftler Kai-Fu Lee im Fernsehen ein Computersystem vor, mit dem man reden konnte. Die Stimme klang zwar recht hoch. Aber das System hieß: Casper.

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