Sieg für Nostalgie-Fans

Deutsches Kulturgut oder gefährlicher Aufzug? Seit Anfang des Monates galt eine erhebliche Beschränkung für die Nutzung der Paternoster. Das ist vorbei. Denn nicht mal das zuständige Ministerium war froh mit der strikten Regel.

Egal ob in Wuppertal, Duisburg, München oder Stuttgart - überall regten sich Bürgerproteste, als vor einem Monat bekannt wurde, dass Besucher von Rathäusern, Verwaltungen oder Unternehmen künftig keine Paternoster mehr benützen dürfen. Die Aktionen haben gewirkt: Künftig dürfen alle wieder in die Umlaufaufzüge steigen. Auch mehr als 40 Jahre nach ersten Beschlüssen, Paternostern aus Sicherheitsgründen den Strom abzudrehen, haben die Nostalgie-Fans wieder einmal gewonnen.

Zunächst einmal war das Paternosterverbot kaum jemandem aufgefallen. Es versteckte sich in einer Betriebssicherheitsverordnung mit 58 Seiten. "Der Arbeitgeber", stand dort, "hat dafür zu sorgen, dass Personenumlaufaufzüge nur von durch ihn eingewiesenen Beschäftigten verwendet werden." Die Verordnung trat am 1. Juni in Kraft. Dadurch sollten die letzten rund 250 Exemplare in Deutschland nun tatsächlich für den Publikumsverkehr gesperrt und nur noch geschulten Mitarbeitern vorbehalten.

Doch jetzt schien selbst die formal Verantwortliche, Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD ), nicht erfreut über die strikte Neuregelung aus ihrem Haus. Statt der angedachten Ausnahmen von der Paternoster-Beschränkung durch die Bundesländer kommt jetzt sogar die fast ganz große Freiheit: Die gemütlichen Gefährte sollen generell wieder für alle ihre Runden drehen dürfen. Die Betreiber werden verpflichtet, "durch zusätzliche Maßnahmen Gefährdungen bei der Benutzung zu vermeiden".

Immerhin ist unbestritten, dass die offenen Aufzüge Gefahren bergen. Mehrere Fälle sind aktenkundig, bei denen sich Benutzer eingeklemmt haben. Knochenbrüche sollen immer wieder vorkommen. Als Präventionsmaßnahme können die Betreiber zum Beispiel Piktogramme über die richtige Nutzung anbringen - ähnlich wie bei einer Rolltreppe im Kaufhaus. Auch Ampeln wurden von den Ministeriumsfachleuten dem Vernehmen nach diskutiert - wenn die Kabine sich entfernt, könnte ein warnendes Rot leuchten. Auch von Lichtschranken ist die Rede. Klar ist: Betreiber haften, wenn etwas passiert - und wenn sie keine entsprechenden Vorkehrungen ergriffen haben, kann ihnen künftig wohl auch eine Ordnungswidrigkeit vorgehalten werden.

Nordrhein-Westfalens Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD ) etwa ist zufrieden. "Der Paternoster ist ein Kulturgut", sagt er. "Ich bin sehr froh, dass Bundesministerin Nahles durch schnelles Handeln die Angelegenheit aus der Welt geschafft hat." Und in Wuppertal will Oberbürgermeister Peter Jung schon heute den Paternoster im Rathaus Barmen persönlich wieder in Betrieb nehmen.

Auch im Saarland gibt es mindestens einen Paternoster - und zwar im Mitarbeiter-Bereich des Saarbrücker Galeria Kaufhofs. An seiner Nutzung ändert sich durch die Aufhebung des Verbots allerdings wenig: Er ist sowieso nur Angestellten zugänglich.