Sekten-Chefin soll Jungen erstickt haben: Prozess nach 30 Jahren

Grausamer Tod von Vierjährigem vor über 30 Jahren : Sekten-Chefin soll Jungen erstickt haben

Nach dem qualvollen Tod eines vierjährigen Jungen muss sich seit Dienstag eine mutmaßliche Sekten-Chefin wegen Mordverdachts vor dem Landgericht Hanau verantworten. Ihr wird vorgeworfen, 1988 den Jungen getötet zu haben.

Die heute 72-Jährige soll das Kind, das in ihrer Obhut gestanden haben soll, in einen Leinensack eingeschnürt, im Badezimmer abgelegt und ihn trotz panischer Schreie seinem Schicksal überlassen haben. Die Angeklagte soll den Jungen als „von den Dunklen besessen“ angesehen haben, wie das Gericht erklärte. Deshalb habe sie beschlossen, ihn zu töten. Der Junge sei nach einem „erbitterten Todeskampf“ gestorben. Vermutlich ist er erstickt.

Die Staatsanwaltschaft sieht das Mordmerkmal der Grausamkeit erfüllt. Auch habe die Frau aus niedrigen Beweggründen gehandelt. Neu aufgerollt wurde der Fall im Frühjahr 2015 durch neue Aussagen von ehemaligen Sektenmitgliedern.

Die Angeklagte äußerte sich zum Prozess-Auftakt nicht. Die grauhaarige Frau wirkte emotionslos. Ihre Anwälte verlasen eine Erklärung und wiesen den Mordvorwurf zurück. Es habe keine Tötungshandlung vorgelegen. Der in der Anklage geschilderte Tatablauf sei „reine Spekulation“. Unklar sei auch die genaue Todesursache. Eine Obduktion wurde nach dem Tod des Jungen 1988 nicht vorgenommen. Die Ermittler gingen damals davon aus, dass er an erbrochenem Haferbrei vom Mittagessen erstickte.

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