Esa-Astronaut Saarländer auf dem Mond? Matthias Maurer hat Sehnsucht nach dem All

Noch vor einem Jahr raste Esa-Astronaut Matthias Maurer mit 28 000 Stundenkilometern um die Erde. 2023 beginnt für den Saarländer hingegen irdisch - aber er strebt schon wieder nach Höherem.

Astronaut Matthias Maurer steht bei der Welcome-back-Party am 14. August 2022 in seiner Heimatgemeinde am Bostalsee zum Portrait. (Archivbild)

Astronaut Matthias Maurer steht bei der Welcome-back-Party am 14. August 2022 in seiner Heimatgemeinde am Bostalsee zum Portrait. (Archivbild)

Foto: dpa/Harald Tittel

Keine acht Monate ist es her, dass Astronaut Matthias Maurer von der Internationalen Raumstation ISS zur Erde zurückgekehrt ist. Und schon arbeitet der gebürtige Saarländer an seiner nächsten Mission – einem Ticket zum Mond. „Natürlich habe ich schon eine Sehnsucht, wieder ins All zu fliegen“, sagt der 52-Jährige . „Und ja, ich hoffe weiterhin, Ende der zwanziger Jahre auf den Mond zu fliegen.“

Astronaut Matthias Maurer will zum Mond

Ganz konkret will der Astronaut der Europäischen Weltraumorganisation Esa schon bald für eine Reise zum Erdtrabanten üben. Und zwar in einer Mond-Trainingshalle, die mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt ab dem zweiten Quartal 2023 am Europäischen Astronautenzentrum in Köln gebaut werden soll. „Da können wir dann Mondmissionen in einer weltweit einzigartigen Trainingsumgebung vorbereiten“, sagt Maurer als Projektleiter für Zukunftsprojekte der europäischen Raumfahrt.

Erste Trainingseinheiten solle es Anfang 2024 geben, das volle Programm dann 2025/2026 möglich sein. Mondfahrer könnten dort ausgebildet werden: Auf „scharfkantigem Sand“ aus der Eifel, der die gleichen chemischen und physikalischen Eigenschaften wie Mondsand habe, bei Lichtverhältnissen wie im All und mit einem Seilsystem, das das gefühlte Gewicht auf ein Sechstel reduziere.

Bilder aus dem ISS: So sieht Matthias Maurer das Saarland und Rheinland-Pfalz
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So sieht Matthias Maurer das Saarland

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Foto: Matthias Maurer/ESA

„Keine Restschäden“ von Reise ins All

„Und das Training wird dann hoffentlich von Vorteil sein, um in Zukunft an einer solchen Mondmission dann auch selbst teilzunehmen. Zumindest ist das mein Traum“, sagt Astronaut Maurer. Der Flug zum Mond wäre eine Ein-Monats-Mission: „Ein Monat auf dem Mond entspricht von der Strahlenbelastung her ungefähr dem, was man in den sechs Monaten auf der ISS abbekommt.“

Körperlich habe er das knappe halbe Jahr auf der ISS sehr gut verkraftet. Es seien zwar „kleine Veränderungen in der Knochendichte im Bereich Hüftknochen“ festgestellt worden, erzählt er. „Das ist aber normal und war zu erwarten.“ Die Knochendichte baue sich im Laufe des Jahres wieder auf, „sodass ich schon fast hundertprozentig der alte bin wie vor dem Flug“. Er habe also „keine Restschäden“ durch seine Reise im All. „Aber ein Kilo zugenommen habe ich.“

Weltraumtourismus sei „sehr stark im Kommen“.

Viele Menschen hätten den Traum, mal ins All zu fliegen. Für die allerwenigsten aber werde der Traum zu heutiger Zeit in Erfüllung gehen. Allerdings werde es in 100 Jahren wahrscheinlich viel einfacher sein. „Dann wird der Flug ins All vermutlich so alltäglich sein wie heute ein Flugzeug zu nehmen und in den Urlaub zu fliegen“, sagt der Esa-Astronaut.

Weltraumtourismus sei „sehr stark im Kommen“. Während seiner Mission auf der ISS rund 400 Kilometer über der Erde - vom 11. November 2021 bis zum 6. Mai 2022 - seien „gleich zwei Kapseln mit Weltraumtouristen“ hochgekommen. Für ihn gebe es beim Weltraumtourismus pro und contra. Dafür spreche, dass die Kosten auf mehr Schultern verteilt und der Zugang zum All auch für Raumfahrtagenturen günstiger werde.

„Nur Europa hängt hier meilenweit hinterher“

Kritisch seien die Umweltaspekte. „Jeder Raketenstart erzeugt auch Weltraumschrott und Weltraummüll. Das ist weiterhin ein ungelöstes Problem.“ Künftig sollten auch „grünere Treibstoffe“ verwendet werden, um eine Belastung der Atmosphäre zu reduzieren. Zudem sollte Weltraumtourismus immer mit Wissenschaft verknüpft sein. „Ein reiner Flug ins All, nur um runterzuschauen, das fände ich doch zu schade und zu viel Impakt auf das Ökosystem des Planeten Erde“, sagt Maurer.

Aktuell verfügen Russland, China und die USA über einen eigenen Zugang zum All. „Nur Europa hängt hier meilenweit hinterher“, sagt der Astronaut. „Wir müssen unabhängig werden. Nur so werden wir als Partner auf Augenhöhe gesehen und geschätzt. Wir können nicht dauerhaft als Anhalter durch die Galaxie fliegen.“ Auch Maurer wäre bei einem Flug zum Mond von den US-Amerikanern abhängig - und von einem knallharten Auswahlverfahren. So gilt etwa auch der Deutsche Alexander Gerst als möglicher Kandidat für eine solche Mission.

Wenn der russische Krieg gegen die Ukraine eines Tages beendet sein sollte, sei die Kooperation mit Russland in der Raumfahrt „sehr wichtig, um wieder Brücken aufzubauen“, sagt Maurer. „Russland ist Teil dieses Planeten. Und von daher müssen wir auch in Zukunft mit unseren Nachbarn reden, kooperieren und auch wieder friedlich interagieren.“

(dpa)
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