Rosarote Räuber auf Edelsteinjagd

Paris. Natürlich klingt es ganz charmant, wenn eine Räuberbande "Pink Panther" heißt und bei Überfällen rosarote Hemden trägt. Zumal sie nur Edeljuweliere überfällt und ihre Opfer halbwegs behutsam behandelt

Paris. Natürlich klingt es ganz charmant, wenn eine Räuberbande "Pink Panther" heißt und bei Überfällen rosarote Hemden trägt. Zumal sie nur Edeljuweliere überfällt und ihre Opfer halbwegs behutsam behandelt. Allerdings gehen mittlerweile über hundert bewaffnete Raubüberfälle mit einer Beute von über 100 Millionen Euro auf das Konto der Juwelendiebe, die seit zehn Jahren in aller Welt zuschlagen. Bei einem Arbeitstreffen von Interpol in Monaco tauschten Ermittler aus 16 Staaten unlängst ihre Erkenntnisse über die "Rosaroten Panther" aus, denen schätzungsweise rund 200 Täter angehören, zumeist aus dem früheren Jugoslawien. Auch in Deutschland schlugen die "Pink Panther" rund ein Dutzend mal zu - vor allem in Nordrhein-Westfalen: Dort begann die Bande vor acht Jahren mit einem Blitzeinbruch bei einem Krefelder Juwelier, seitdem kamen Raubüberfälle in Moers, Essen, Gronau, Gladbeck und Köln hinzu. Der letzte Bruch traf laut Landeskriminalamt (LKA) Düsseldorf im Juni 08 einen Schmuckladen in Mülheim an der Ruhr. Den harmlos klingenden Spitznamen haben britische Ermittler den Räubern verpasst, als sie vor einigen Jahren einen gestohlenen Edelstein in einem Tiegel Gesichtscreme fanden - wie die Polizei in der Krimikomödie "Der Rosarote Panther" mit Peter Sellers von 1963. Der Name gefiel den Räubern offenbar: Augenzeugen sagten seither aus, dass die Täter rosarote Hemden anhatten.Lustig sind die Diebe aber keinesfalls, betont Roland Wolff, Leiter der Abteilung für Organisierte Kriminalität beim LKA Düsseldorf. Die "Pink Panther" seien "ständig umherreisende Intensivtäter". Bei Raubüberfällen drohen sie mit Waffengewalt. Und bei nächtlichen Einbrüchen rammen sie laut Wolff auch mal einen Baumstamm ins Schaufenster, um schnell an die Beute zu kommen. Jeder Überfall der Juwelendiebe ist bis ins letzte Detail perfekt geplant. "Was sie so eigen und wirkungsvoll macht, ist ihre Genauigkeit", sagt der Polizeichef von Monaco, Christophe Haget. "Sie passen sich ihrer Umgebung vollständig an." In reichen Gegenden fahren sie mit Limousine und Chauffeur vor; in Japan radeln sie zum Juwelier - praktischerweise wie die Einheimischen mit Atemschutzmasken vor dem Mund.Die "Pink Panther" seien keine durchstrukturierte Organisation, sondern ein Netz aus mehreren Gruppen, sagen Wolff und sein Kollege Emmanuel Leclaire von Interpol. Den Dieben sei auch deshalb schwer auf die Spur zu kommen, weil sie extra für die Tat in ein Land einreisen, um es danach sofort wieder zu verlassen. Nur wenige Täter sind bisher dingfest gemacht. In Frankreich wurden im Oktober drei Mitglieder der Bande festgenommen und verurteilt, ebenfalls drei waren es in Nordrhein-Westfalen im vergangenen August. Oft kennen sich die "Pink Panther" laut Interpol nicht einmal, wenn sie für einen gemeinsamen Bruch losziehen. afp "Was sie so wirkungsvoll macht, ist ihre Genauigkeit."Christophe Haget, Polizeichef in Monaco