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Rocker muss neun Jahre ins Gefängnis

Rocker muss neun Jahre ins Gefängnis

Koblenz. Knapp ein Jahr nach dem tödlichen Schuss auf einen Polizisten ist ein Mitglied des Rockerclubs "Hells Angels" vom Landgericht Koblenz gestern zu neun Jahren Haft verurteilt worden. Der 44-jährige Karl B. (Foto: dapd) hatte zugegeben, durch seine geschlossene Haustür auf den 42-jährigen SEK-Beamten gefeuert zu haben

Koblenz. Knapp ein Jahr nach dem tödlichen Schuss auf einen Polizisten ist ein Mitglied des Rockerclubs "Hells Angels" vom Landgericht Koblenz gestern zu neun Jahren Haft verurteilt worden. Der 44-jährige Karl B. (Foto: dapd) hatte zugegeben, durch seine geschlossene Haustür auf den 42-jährigen SEK-Beamten gefeuert zu haben. Er sei jedoch davon ausgegangen, dass ein verfeindeter Rockerclub ihn angreife. Das Argument der Notwehr ließ der Richter nicht gelten. "Sie durften in dieser Situation nicht so handeln", sagte er zu dem 44-Jährigen, der die Strafe nach außen hin regungslos zur Kenntnis nahm.Der Polizist war zusammen mit Kollegen wegen einer Hausdurchsuchung bei dem Rocker in Anhausen bei Koblenz angerückt und sollte die teilweise verglaste Haustür öffnen. Der Rocker feuerte aus 2,50 Meter Entfernung zweimal auf den Beamten, der letzte Schuss traf den 42-Jährigen trotz Schutzkleidung tödlich. Gegen den "Hells Angel" war zunächst Mordanklage erhoben worden, der Staatsanwalt plädierte jedoch schließlich unter anderem wegen Totschlags auf zwölf Jahre Haft. Einen niederen Beweggrund für die Tat, also ein Mordmotiv, konnte die Staatsanwaltschaft im Lauf des Verfahrens nicht feststellen. Die Verteidigung hatte Freispruch gefordert, da der Mann meinte, in Notwehr zu handeln.

Verurteilt wurde der 44-Jährige letztlich wegen Totschlags und zusätzlich wegen Nötigung und versuchter räuberischer Erpressung. In diesen Anklagepunkten ging es um Streitigkeiten im Rotlichtmilieu, die auch die Hausdurchsuchung bei dem Rocker ausgelöst hatten. Sein Anwalt kündigte an, gegen das Urteil Revision einzulegen. dpa/dapd

Stichwort

Die "Hells Angels" gelten als mächtigster und mitgliederstärkster Rockerclub der Welt. Gewalttätige Auseinandersetzungen mit verfeindeten Rockergruppen sowie Drogen- und Waffengeschäfte bringen die "Höllenengel" immer wieder in die Schlagzeilen. Gegründet wurden die "Hells Angels" 1948 von Harley-Davidson-Liebhabern in den USA. Im Laufe der Zeit entwickelte sich eine straffe Organisation mit Gruppen in über 30 Ländern.

Allein in Deutschland gibt es mehr als 40 regionale Vereinigungen - ein Großteil davon im Südwesten. Ihren ersten deutschen Ableger hatten die "Hells Angels" 1973 gegründet. dpa