Rettungsaktion im Louvre

Paris erlebt ein Hochwasser wie seit mehr als 30 Jahren nicht mehr. Der Louvre und andere Museen brachten einen Teil ihrer Kunstwerke in Sicherheit.

"Wegen einer Hochwasserwarnung ist der Louvre heute geschlossen", steht auf einem Schild vor dem Eingang des weltberühmten Museums. Rund 300 000 Stücke lagern in dem einstigen Königspalast an der Seine, die gestern auf über sechs Meter anstieg. "Die Sammlungen sind nicht in Gefahr", sagt Museumsdirektor Jean-Luc Martinez. Dennoch bringen Mitarbeiter und Freiwillige die Stücke aus dem Untergeschoss in den höheren Etagen in Sicherheit. "Man kann nicht warten, bis das Wasser da ist, sondern muss sie jetzt retten", erklärt das mit neun Millionen Eintritten jährlich meist besuchte Museum der Welt.

Das gilt auch für die impressionistischen Werke des Musée d'Orsay am anderen Seine-Ufer, dem das schmutzig-braune Seine-Wasser bedrohlich nahe kommt. "Wir sind wachsam, denn wir wissen nicht, wie weit die Flut noch steigt", bemerkt Kulturministerin Audrey Azoulay nach einem Besuch des Louvre . Deshalb wird auch das imposante Grand Palais geschlossen, ebenfalls nur durch eine Straße von der Seine getrennt.

Im Louvre liegen seit 2002 die Hochwasserpläne bereit, um Schaden von den berühmten Kunstschätzen, allen voran die "Mona Lisa", abzuwenden. Dazu gehört eine Datei mit allen Ausstellungsstücken, die bei Überschwemmungsgefahr umziehen müssen. Erst im März hatte das Museum zusammen mit ganz Paris den Ernstfall eines Jahrhunderthochwassers durchexerziert.

"EU Sequana 2016" hieß die Übung, benannt nach einer Quellnymphe der Seine. Rund um das Gebäude des Radiosenders Radio France wurde beispielsweise ein riesiger aufblasbarer Gummischlauch gelegt, um das moderne Gebäude vor einer damals noch imaginären Flut zu schützen. Inzwischen ist das Hochwasser Realität geworden, auch wenn es noch deutlich unter dem Rekordwert von 1910 mit 8,62 Metern liegt.

Doch schon jetzt reichen die Fluten bis an den Sockel der Freiheitsstatue, die vor dem Radiogebäude in der Seine steht. Das Hochwasser wirkt sich auch auf die EM aus: Am Seine-Ufer wurden die gerade erst aufgestellten Container überflutet, in denen sich die Teilnehmerländer präsentieren sollten. "Ich kann mich nicht erinnern, dass es hier jemals solche Überschwemmungen gab", sagt ein 50-jähriger Pariser, der wie andere Schaulustige von der Brücke Alexandre III aus die überflutete Uferpromenade fotografiert.

"Man sollte das Seine-Ufer vermeiden, um keine unnötigen Risiken einzugehen", warnt die Stadtverwaltung die Hochwassertouristen, die von den legendären Pariser Brücken in die Fluten schauen. Sie hatte am Donnerstag die Alarmstufe orange ausgerufen, nachdem das Wasser der Seine innerhalb von drei Tagen um zwei Meter gestiegen war.

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Hintergrund Ein Blitzschlag hat das Musikfestival "Rock am Ring" in der Osteifel überschattet. Mehrere Menschen seien verletzt worden, sagte ein Polizeisprecher am Freitagabend in Mendig (Rheinland-Pfalz). Ein Rettungshubschrauber landete hinter den Bühnen. Ob es Schwerverletzte gab, war zunächst ebenso unklar wie die Zahl der Verletzten. Ein Gewitter hatte sich direkt über das Festivalgelände geschoben. Alle Live-Auftritte wurden etwa eineinhalb Stunden lang unterbrochen. dpa

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