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Rentner feuert auf 16-Jährigen

Rentner feuert auf 16-Jährigen

Ein Rentner tötet einen 16-Jährigen, der ihn zuvor überfallen hat. Die Richter verurteilen den Schützen zu einer Bewährungsstrafe. Auf Notwehr kann sich der Mann aber nicht berufen.

Er erschoss einen 16-Jährigen nach einem Überfall auf sein Haus - jetzt ist ein 81-jähriger Jäger zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung wegen Totschlags in einem minder schweren Fall verurteilt worden. Staatsanwalt und Verteidiger hatten im Prozess am Landgericht Stade auf Freispruch plädiert. Der Nebenkläger-Vertreter hatte eine Verurteilung wegen Totschlags gefordert.

Der Rentner war 2010 auf seinem Anwesen bei Sittensen in Niedersachsen von dem 16-Jährigen sowie vier weiteren jungen Männern überfallen worden. Diese hatten den damals wegen einer Knieoperation auf Gehhilfen angewiesenen Mann in sein Haus gezerrt, ihn mit einer Softair-Waffe bedroht und eine Geldbörse mit mehr als 2000 Euro geraubt. Dann begannen sie, das Gebäude zu durchsuchen. Als eine Alarmanlage losging, flohen die Räuber aus dem Haus. In dieser Situation griff der damals 77-Jährige laut Gericht nach einer Pistole, die er griffbereit im Haus hatte, und feuerte vier gezielte Schüsse in deren Richtung ab. Der 16-Jährige wurde im Rücken getroffen und starb.

Nach Überzeugung des Gerichts überschritt der Rentner die Grenzen der Notwehr. "Ein gezielter Schuss auf Arme oder Beine wäre ausreichend gewesen und hätte auch den Angreifer gestoppt", sagte der Vorsitzende Richter Berend Appelkamp in seiner Urteilsbegründung. Als Jäger sei der Rentner waffenkundig gewesen und hätte wissen müssen, dass er nicht auf den Oberkörper hätte zielen dürfen. "Er hat den Tod des Räubers subjektiv billigend in Kauf genommen", so der Richter. Die Strafkammer hielt dem 81-jährigen jedoch zugute, dass er in einer akuten Belastungsreaktion gehandelt habe. "Der Angeklagte hatte Todesängste", sagte Appelkamp. Darum könne das Gericht nicht ausschließen, dass er die Schüsse in einem Zustand verminderter Schuldfähigkeit abgegeben habe.

Für den Überfall auf den Rentner waren die Komplizen des Erschossenen bereits 2011 von einer anderen Strafkammer des Stader Landgerichts verurteilt worden. Die jungen Männer im Alter von knapp über 20 Jahren bekamen mehrjährige Haftstrafen.