Rätsel um Kokain-Pakete an französischer Atlantikküste

Kokain angespült : Berauschendes Strandgut am Atlantik

Im französischen Badeort Lacanau werden seit Tagen Tüten mit Kokain angeschwemmt. Das lockt Glücksritter an – und die Polizei.

Das Meer hat immer wieder Überraschungen parat. So staunten die Spaziergänger am Strand des französischen Badeortes Lacanau nicht schlecht, als sie zwischen toten Quallen und Treibholz in diesen Tagen auch mehrere Tüten mit einem weißen Pulver entdeckten. Der Inhalt war schnell ermittelt: Kokain. Die Polizei schickte sofort einige Leute an den Atlantik, der in diesem Bereich im Sommer vor allem bei Surfern beliebt ist. Die Beamten wurden schnell fündig und stellten auf einem Strandabschnitt von mehreren Kilometern Länge weitere Beutel sicher. Insgesamt wurden bis jetzt fast 800 Kilogramm eingesammelt. Wie Fachleute bestätigen, sei das Rauschgift von hoher Qualität. Auf dem Schwarzmarkt würden dafür pro Gramm zwischen 50 und 70 Euro bezahlt.

Damit die Menschen nicht auf dumme Gedanken kommen, hat die Polizei den Strand in Lacanau im Département Gironde inzwischen abgesperrt. Zu Recht, denn die Nachricht von dem Kokain-Fund verbreitete sich schnell und manch einer hofft auf das schnelle Geld. Nun wurde ein junger Mann festgenommen, der gerade dabei war, das Meer nach den begehrten Beuteln abzusuchen. Wie sich herausstellte, war auch er fündig geworden und hatte in einer Tasche rund fünf Kilo Rauschgift bei sich. „Der 27-Jährige ist mehrere Kilometer am Strand entlanggegangen und trug fünf Säckchen mit Kokain bei sich“, teilte die Polizei mit. Ihm drohen nun bis zu zehn Jahren Haft. Kleiner Nebeneffekt: Bei der Durchsuchung des Hauses, in dem der Festgenommene gewohnt hat, fanden die Beamten auch noch eine kleine Cannabis-Plantage.

Woher das angeschwemmte Kokain an der Atlantikküste stammt, ist noch immer ein Rätsel. Die Wasserschutzpolizei und Drogenermittler gehen davon aus, dass ein Schmugglerboot während eines Herbststurmes in Seenot geraten ist und das Kokain dabei über Bord gegangen ist. Wann der ungewollte Segen ein Ende haben wird, ist auch noch nicht abzusehen. Nach der Festnahme des jungen Mannes hat die Polizei die Kontrollen an dem betroffenen Abschnitt verstärkt. Sie möchte nicht, dass noch mehr vermeintliche Glücksritter auf dumme Gedanken kommen und Ausschau nach dem wertvollen Strandgut halten.