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Polizei findet acht Babyleichen

Polizei findet acht Babyleichen

In einem 2800-Einwohner-Ort in Oberfranken findet die Polizei mehrere tote Säuglinge in einem Anwesen. Bislang gehen die Ermittler von acht Leichen aus.

Die Vorhänge und Rollläden sind geschlossen. Aber im obersten Stockwerk an den Fenstern hängen Kinderbilder. Selbst gebastelt. Was ein Notarzt und die Polizei hinter der Fassade des schmucklosen, aber gepflegten Hauses in der oberfränkischen Kleinstadt Wallenfels entdeckt haben, nimmt einem den Atem: Mindestens acht Babyleichen lagen in dem Haus, eingewickelt in Plastiktüten oder Handtücher. Es dürfte sich um einen der schlimmsten derartigen Fälle in Deutschland handeln.

Die Ermittler haben gestern am späten Abend die mutmaßliche Mutter der Babys festgenommen. Sie war demnach in Begleitung eines 55 Jahre alten Mannes, der nun ebenfalls vernommen werden sollte. Die 45 Jahre alte Frau soll nach Aussagen einer Polizeisprecherin bis vor Kurzem in der Wohnung gelebt haben. Wie die Säuglinge zu Tode kamen, war zunächst völlig unklar. Die Leichen seien in einem schlechten Zustand. Rechtsmedizinische Untersuchungen müssten zeigen, ob es noch mehr tote Körper sein könnten.

Eine Anwohnerin hatte gestern Nachmittag den Notruf gewählt, nachdem sie in der Wohnung die sterblichen Überreste eines Säuglings gefunden hatte. Daraufhin entdeckten die alarmierten Polizisten in einem Zimmer weitere Leichen . In welchem Verhältnis die Anruferin zu den Hausbewohnern steht, sagte die Polizei zunächst nicht.

Die Frau gilt nach Aussagen der Polizei als höchst tatverdächtig. Zu persönlichen Details über die Frau hielt sich die Polizei bedeckt. Zuvor hatten mehrere Medien über das möglicherweise heikle familiäre Umfeld berichtet. Die Polizeisprecherin bestätigte nur, dass die 45-Jährige offenbar vor einiger Zeit in dem Haus gewohnt hat. Wer sonst noch dort lebt, wollte sie nicht sagen.

Rechtsmediziner obduzierten die Körper seit gestern Morgen. Die Untersuchungen sollen frühestens Anfang nächster Woche Aufschluss darüber geben, wie lange die Kinder bereits tot sind, welches Geschlecht sie haben und woran sie gestorben sind. "Bei acht sterblichen Überresten von Neugeborenen nimmt das natürlich einige Zeit in Anspruch", sagte die Polizeisprecherin. Mittlerweile wurde die Ermittlungsgruppe "Schlossberg" gegründet. "Es sind noch sehr viele Personen zu befragen und es erfolgen auch weitere Durchsuchungsmaßnahmen", sagte die Polizeisprecherin. Dabei soll vor allem das Anwesen selbst noch genauer unter die Lupe genommen werden. Es werde jetzt alles, was möglich sei, so zeitnah wie möglich gemacht.

Viele Wallenfelser erzählen, wie unauffällig die Familie gewesen sei und wie gut integriert ins Ortsleben. "Mir fehlen die Worte", sagt ein Spaziergänger. Die Familie sei nett und anständig gewesen, sagt eine ältere Frau, die ganz in der Nähe wohnt. Bürgermeister Jens Korn (CSU ) ringt um Fassung. Eine heile Welt habe man doch eigentlich im Ort, sagt er. In Wallenfels sei die Ortsgemeinschaft intakt. Viele Bürger beschäftige deshalb die Frage, ob man diese Tragödie hätte verhindern können - etwa mit Hilfsangeboten. "Es herrscht Trauer in unserer Stadt um die Kinder, die nicht leben durften."