Paris will hoch hinaus

Paris. Es ist ein Gebäude, das je nach Blickwinkel anders aussieht: Mal wirkt es wie eine Pyramide, mal wie ein Eisberg, mal wie eine Messerspitze. "Triangle" (Dreieck) heißt das Projekt des Architekten Jacques Herzog von der renommierten Schweizer Agentur Herzog & de Meuron

Paris. Es ist ein Gebäude, das je nach Blickwinkel anders aussieht: Mal wirkt es wie eine Pyramide, mal wie ein Eisberg, mal wie eine Messerspitze. "Triangle" (Dreieck) heißt das Projekt des Architekten Jacques Herzog von der renommierten Schweizer Agentur Herzog & de Meuron. Mit einer Höhe von fast 200 Metern soll es das erste Hochhaus werden, das in Paris seit 30 Jahren entsteht. Zum Vergleich: Der Eiffelturm ist 324 Meter hoch, der Tour Montparnasse 210 Meter. Der Gemeinderat der französischen Hauptstadt hatte den städtebaulichen Plänen des sozialistischen Bürgermeisters Bertrand Delanoë erst im Sommer zugestimmt und damit einen radikalen Kurswechsel eingeleitet. Denn 30 Jahre lang war es verboten, "intra muros", also innerhalb der ringförmigen Stadtautobahn Périphérique, Gebäude zu errichten, die höher als 37 Meter sind.

Radikaler Kurswechsel

Trotz der Finanzkrise müsse man Wagnisse eingehen, um die wirtschaftlichen Aktivitäten von Paris nicht zu gefährden, sagte Delanoë bei der Vorstellung des Projekts. Dabei spielt der geplante Triangle-Turm eine entscheidende Rolle. 5000 Arbeitsplätze sollen durch ihn entstehen. Und er soll Paris als Veranstaltungsort von Messen und Kongressen zu neuer Attraktivität verhelfen. Denn das luftige Glasgebäude soll auf dem Messegelände an der Porte de Versailles im Süden der Stadt stehen. Bauherr ist der Immobilienkonzern Unibail-Rodamco, der die Messe zusammen mit der Industrie- und Handelskammer von Paris betreibt. "Wir haben festgestellt, dass es dort an Hotels, einem Kongresszentrum und Büros, die von den Ausstellern während der Messen genutzt werden können, fehlt", sagt Unibail-Chef Guillaume Poitrinal. Entsprechend soll der mit einem natürlichen Belüftungssystem ausgestattete Turm genutzt werden. Geschäfte, Restaurants, Cafés und öffentliche Terrassen in luftiger Höhe sollen dafür sorgen, dass er auch von der Bevölkerung angenommen wird. Bei der Planung achtete Architekt Herzog, der bereits die Tate Modern in London und das Olympiastadion in Peking entwarf, zudem darauf, dass das Hochhaus so wenig Schatten wie möglich auf die Wohnhäuser der Nachbarschaft wirft.

Das elegante Gebäude, dessen Gestaltung die Linien der für Paris typischen Haussmannschen Architektur aufnimmt, könnte dennoch auf Widerstand stoßen. So ergaben Umfragen, dass ein Drittel der Einwohner von Paris gegen den Bau neuer Hochhäuser ist. Die für Städtebau zuständige stellvertretende Bürgermeisterin Anne Hidalgo will den Anwohnern das Triangle-Projekt ab dem 15. Oktober präsentieren. "Aber wir werden kein Referendum zum Bau der Hochhäuser machen", sagt sie. Die Wahlen gäben dem Bürgermeister die Legitimierung zur Änderung der Richtlinien, denn sein Team habe vorher immer gesagt, dass die Höhe bei Bauten kein Tabu bleiben dürfe. Bauherr Unibail könnte innerhalb des kommenden Jahres die Baugenehmigung erhalten. Die Bauzeit dürfte zweieinhalb bis drei Jahre betragen.

Der 180 Meter hohe Turm soll die Form einer Pyramide haben.
So könnte der neue Wolkenkratzer das Stadtbild von Paris künftig verändern. Fotos: PM
Der 180 Meter hohe Turm soll die Form einer Pyramide haben.