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O. J. Simpson ist wieder auf freiem Fuß

Ex-Footballer aus Gefängnis entlassen : O. J. Simpson ist wieder auf freiem Fuß

Vor mehr als zwanzig Jahren stand der Ex-Footballstar wegen mutmaßlichen Mordes an seiner Frau vor Gericht. Ins Gefängis musste er aber erst viele Jahre später wegen eines anderen Verbrechens. Nun hat er seine Strafe abgesessen.

(dpa) Der frühere US-Footballstar O. J. Simpson (70) ist nach neun Jahren Haft wieder ein freier Mann. Simpson sei am Sonntag vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen worden, sagte die Sprecherin des Staatsgefängnisses von Nevada, Brooke Keast, dem US-Sender CNN. Er habe die Anstalt in Lovelock im Westen des Bundesstaats schon kurz nach Mitternacht verlassen können, um keine öffentliche Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Ein Freund habe ihn abgeholt. Im Juli hatte ein Begnadigungsausschuss entschieden, dass Simpson das Gefängnis im Oktober auf Bewährung verlassen dürfe.

Rückendeckung bekam er damals von seiner jüngsten Tochter Arnelle Simpson, die in einem emotionalen Appell um die frühzeitige Entlassung ihres Vaters bat. „Er ist mein bester Freund, mein Fels“, sagt sie unter Tränen. „Wir wollen einfach, dass er zurück nach Hause kommt“, las sie in flehendem Ton von ihrem Notizblatt ab. Ihr Bitten wurde erhört.

Bei seiner Entlassung habe sie Simpson gesagt, dass er nicht zurückkommen solle, sagte Keast. Er habe geantwortet, dass er das nicht vorhabe. „Er war euphorisch, freundlich und schien froh zu sein, in seinem Leben vorankommen zu können.“ Simpsons Anwalt Malcom LaVergne hatte am Samstag eine kurz bevorstehende Entlassung bestätigt, ohne ein genaues Datum zu nennen.

Simpson ist nun zwar in Freiheit, muss sich aber an bestimmte Auflagen halten. Er darf zwar Alkohol trinken, aber nicht in großen Mengen. Sollte er gegen diese Regel verstoßen, droht ihm die sofortige Rückkehr ins Gefängnis. Vorgabe ist, dass sich der 70-Jährige regelmäßig einem Alkoholtest unterzieht.

Der Ex-Footballer war 2008 von einem Gericht wegen bewaffneten Raubs und Körperverletzung zu einer Haftstrafe von maximal 33 Jahren verurteilt worden. Im Jahr zuvor war Simpson zusammen mit mehreren Komplizen bewaffnet in ein Hotelzimmer im Hotel-Casino Palace Station in Las Vegas eingedrungen und hatte zwei Sammler von Fan-Artikeln gezwungen, ihm persönliche Erinnerungsstücke auszuhändigen. Das Gericht legte damals fest, dass ein Antrag auf vorzeitige Haftentlassung nicht vor 2017 gestellt werden kann und eine Mindeststrafe von neun Jahren abgesessen werden muss. Von der einst so charismatisch auftretenden Sportikone war zu der Zeit nicht mehr viel übrig. Das Gesicht wirkte müde, der Gang kraftlos. Die Höhe des Strafmaßes erschien vielen Menschen überraschend hoch.

Die Entscheidung des Gerichts, Simpson vorzeitig zu entlassen, scheint nur richtig. Wenn da nicht ein Schatten der Vergangenheit wäre, den O. J. Simpson niemals abzustreifen vermochte. 1995 stand er wegen des Vorwurfs vor Gericht, seine Ex-Frau Nicole Brown und ihren Freund Ron Goldman in Los Angeles mit Messerstichen brutal ermordet zu haben. Rund 95 Millionen Zuschauer verfolgten damals live im Fernsehen, wie O. J. sich eine dramatische Verfolgungsjagd mit der Polizei lieferte. In einem Verfahren, das von den Medien später als „Prozess des Jahrhunderts“ bezeichnet wurde, sprachen ihn die Geschworenen im Oktober 1995 trotz erdrückender Beweislage überraschend frei. Umfragen von damals wie heute zeigen jedoch, dass die meisten Amerikaner Simpson für den Täter halten. Der Mordprozess wurde für den US-Sender Sky verfilmt. Die zehnteilige Serie „The People v. O.J. Simpson“ gewann fünf Emmys.