Nur ein Fuchs als Gesellschaft

Nur ein Fuchs als Gesellschaft

Steinhude. Erleichtert lässt sich Michael Zobel (Foto: dpa) auf die Knie fallen. Voller Freude wieder auf dem Festland zu sein, küsst er das schneebedeckte Ufer am Steinhuder Meer. "Das musste ich jetzt machen", sagt Zobel, fällt seiner Frau Heidrun um den Hals und küsst sie

Steinhude. Erleichtert lässt sich Michael Zobel (Foto: dpa) auf die Knie fallen. Voller Freude wieder auf dem Festland zu sein, küsst er das schneebedeckte Ufer am Steinhuder Meer. "Das musste ich jetzt machen", sagt Zobel, fällt seiner Frau Heidrun um den Hals und küsst sie. Eigentlich wollte Zobel auf der kleinen Insel Wilhelmstein nur nach dem Rechten sehen und dann kurz vor dem vierten Advent wieder zurückkehren. Doch Blitzeis verhinderte dies.

Fast alleine hat der Mann einen Monat unfreiwillig mitten im Steinhuder Meer auf der Insel festgesessen. Nur ein Fuchs leistete Zobel zeitweise Gesellschaft. "In den letzten Tagen zog der um die Häuser und suchte nach toten Vögeln", sagt er. "Am Anfang hatte ich die Hoffnung, dass das Eis auftaut", berichtet Zobel. Aber daraus wurde nichts. Weihnachten rückte näher, und der Binnensee blieb zugefroren. Zobel musste das Fest alleine feiern. "Das war das erste Mal. Stattdessen gab es Weihnachtsgrüße übers Telefon", sagt Zobel.

Vermisst habe er während des unfreiwilligen Aufenthaltes am meisten seine Frau und das Zusammensein mit der Familie. "Wir haben aber immer dreimal am Tag zu bestimmten Zeiten miteinander telefoniert", sagt Zobels Ehefrau. Aber auch den Jahreswechsel konnten die beiden nicht zusammen verbringen. Weil der Inselvogt nicht Gefahr laufen wollte, auch noch seinen Geburtstag am 23. Januar ohne Familie zu feiern, rief er die Feuerwehr in Steinhude zur Hilfe. Mit einem Luftkissenboot holte ihn ein Feuerwehrmann schließlich am Freitag ab.

Seinen Alltag habe er aber so normal wie möglich gestaltet. "Ich bin immer um 7.30 Uhr aufgestanden und habe mich rasiert", sagt Zobel. "Das alles gibt einem das Gefühl, dass alles in Ordnung ist." Ansonsten habe er in Ruhe Ludwig van Beethoven gehört und Bücher gelesen. "Zuletzt das Buch 'Die Leber wächst mit ihren Aufgaben'", erzählt der 48-Jährige. Außerdem habe er in den vier Wochen die Arbeit von drei Monaten erledigt. Zu seinen Aufgaben gehört unter anderem die Inventur im Inselladen und das Schreiben eines Abschlussberichtes.

"Ich werde jetzt erst mal einen fünf Kilometer langen Spaziergang geradeaus machen und nicht mehr 400 Meter im Kreis laufen. Außerdem freue ich mich auf einen Glühwein", sagt Zobel, als er auf dem Festland angekommen ist. Und endlich kann er auch die Weihnachtsgeschenke auspacken, die auf ihn zu Hause warten.

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