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Notre-Dame in Paris soll so wieder aussehen, wie sie einmal war

Historischer Wiederaufbau : Keine Experimente am Dach von Notre-Dame

Fast 15 Monate nach dem Brand in der Pariser Kathedrale hat nun auch Präsident Macron einem Wiederaufbau des eingestürzten Spitzturms im historischen Stil zugestimmt.

An grandiosen Ideen herrschte kein Mangel. Eine gigantische Flamme sollte aus Notre-Dame hoch in den Himmel über Paris steigen, schlug ein Architekt vor. Einer präsentierte einen Turm aus Kristallglas oder Titan, ein anderer wollte in schwindelnder Höhe über der Île-de-la-Cité einen ganzen Eichenwald wachsen lassen. Schon wenige Tage nach dem Brand in der Kathedrale im April 2019 fand eine Art inoffizieller Ideen-Wettlauf statt, angefacht von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Er wollte, dass nach dieser nationalen Katastrophe etwas Neues, Zukunftsweisendes aus der Asche entstehen solle.

Ein sehr gewichtiges Wort bei der Suche nach einer Lösung hat Chef-Architekt Philippe Villeneuve. Er hat der Kommission, die sich mit dem Aufbau befasst, ein Exposé von über 3000 Seiten übergeben und darin verschiedene Machbarkeitsstudien präsentiert. Villeneuve selbst hält es für die beste Lösung, das Dach in der letzten bekannten Form mit dem markanten, über 90 Meter hohen Turm wiederaufzubauen. Das heißt, in der Art des legendären Architekten Eugène Viollet-le-Duc, der im 19. Jahrhundert das heutige Aussehen von Notre-Dame mit seinen Umbauarbeiten prägte. Auch aus dem französischen Kulturministerium ist zu vernehmen, dass der Wiederaufbau des eingestürzten Spitzturms im historischen Stil eine sehr gute Lösung wäre. Dafür gebe es einen „breiten Konsens“, sagte die neue Kulturministerin Roselyne Bachelot dem Radiosender France Inter.

Bereits Ende Juni hatten sich rund ein Dutzend hochgestellte Wissenschaftler und Historiker für eine konservative Lösung starkgemacht. In einem offenen Brief sagten sie, dass Paris seine in der ganzen Welt bekannte ikonische Silhouette mit der Kathedrale von Notre-Dame nicht verlieren dürfe. Veröffentlicht in der Tageszeitung Le Figaro, wurden danach mehrere Umfragen unter der Bevölkerung durchgeführt, die deutlich machen, dass auch die Mehrheit der Franzosen „ihre Kathedrale“ nicht verlieren möchten.

Die Entscheidung für eine eher traditionelle Lösung scheint also gefallen, zumal mit den ersten Arbeiten bald begonnen werden soll und die Zeit für einen groß angelegten, internationalen Architektenwettbewerb damit reichlich knapp wäre. Als letzte Instanz hat sich nun auch Präsident Macron noch einmal zu Wort gemeldet. Er war es, der noch in der Brandnacht, als die Flammen aus dem Dachstuhl in den Nachthimmel über Paris schlugen, der entsetzten Welt eine „viel schönere Kathedrale als zuvor“ versprach – und durchblicken ließ, dass für ihn „schöner“ auch „moderner“ heißt. Spötter unkten nach dieser Ankündigung, er wolle sich damit vor allem selbst eine Art Denkmal setzten.

Nach der Sitzung der Notre-Dame-Kommission ließ Macron am späten Donnerstag allerdings verkünden, dass er seine Idee eines internationalen Architektenwettbewerbes fallenlasse. Er wolle den „Fortgang der Arbeiten nicht verzögern“, zudem sehe auch er, dass sich bereits ein Kompromiss abzeichne. Grund für diesen Meinungswandel ist auch die Tatsache, dass der Staatschef mit seiner ursprünglichen Idee einer modernen Dach-Variante plötzlich in den eigenen Reihen alleine dastand. Alle eifrigen Verfechter einer kühnen Lösung in Sachen Notre-Dame sind in diesen Tagen bei der Regierungsumbildung vom Präsidenten ausgetauscht worden. Macron hat sich in diesem Fall selbst ein Bein gestellt.