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Katastrophe in Paris
Notre Dame brennt lichterloh

Paris. Frankreichs berühmteste Kathedrale steht in Flammen. Die Feuerwehren kämpfen um die Rettung des Weltkulturerbes. afp/dpa/kna

Wieder Alarm in Paris. Überall Sirenen, überall Polizei und Feuerwehrfahrzeuge. Notre-Dame, die berühmte Kathedrale im Herzen der französischen Hauptstadt, brennt lichterloh. Eine riesige Rauchsäule steht über dem berühmten Wahrzeichen, Flammen schlagen aus dem Dachstuhl. Passanten sprechen von einer Katastrophe. Der kleine Spitzturm auf dem Dach des monumentalen Bauwerks stürzt einfach in sich zusammen. Durch die Menschenmenge an den Ufern der Seine geht ein Raunen. Wie schwer der Brand die Kirche zerstört hat und was noch zu retten ist – in Paris fürchtet man das Schlimmste.


Das Feuer brach am Montagabend aus, es war ein sonniger Frühlingstag in Paris. Notre Dame ist eine der Top-Touristenattraktionen und wird jährlich von Millionen von Menschen besucht, die vor dem Bauwerk Schlange stehen. Die Kathedrale steht auf der Île de la Cité – einer Insel auf der Seine und das historische Herz der Stadt.

Hunderte Passanten drängen sich am Abend auf den Brücken über dem Fluss, um Fotos vom Feuer zu machen. Nur wenige Autos kommen überhaupt noch durch. Polizisten riegeln nach und nach die gesamten Brücken und das gesamte Gelände um die Kirche ab – und verscheuchen Schaulustige recht harsch.



Die französische Hauptstadt und das ganze Land waren in den vergangenen Jahren von einer islamistischen Terrorwelle getroffen worden. Die Terrorfrage stellte sich auch jetzt wieder – schließlich war auch Notre Dame ein potenzielles Ziel von Attentätern.

Die Polizei geht aber am Abend zunächst nicht von einem terroristischen Hintergrund aus. Auf dem Dach der Kathedrale stand ein riesiges Gerüst. Bauarbeiten könnten die Ursache für den verheerenden Brand sein, lauten erste Vermutungen. Wichtige Gemälde und Kunstgegenstände konnten offenbar aber gerettet werden.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wollte am Montagabend eigentlich eine TV-Ansprache halten. Nach dem Ende seiner Bürgerdebatte, wollte er konkrete Reformpläne ankündigen, um die seit Monaten anhaltende „Gelbwesten“-Krise in den Griff zu bekommen. Diesen Auftritt sagt er kurzfristig ab. „Wie alle unsere Landsleute bin ich an diesem Abend traurig, diesen Teil von uns brennen zu sehen“, erklärt er.

Die Bundesregierung reagierte bestürzt auf den Brand der Pariser Kathedrale. „Es tut weh, diese schrecklichen Bilder der brennenden Notre Dame zu sehen“, schrieb Regierungssprecher Steffen Seibert auf Twitter. Auch der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) zeigte sich entsetzt. Auf Twitter schrieb er: „Für uns an der Saar ist die Notre Dame auch ,unser’ kulturelles Wahrzeichen. Wir sind erschüttert.“ EU-Ratspräsident Donald Tusk schrieb auf Twitter: „Notre Dame ist ein Symbol Frankreichs und unserer europäischen Kultur. Notre Dame von Paris ist Notre Dame von ganz Europa. Wir sind heute alle bei Paris.“

Die berühmte Kirche gehört zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten der französischen Hauptstadt. Die Kirche sollte bis 2027 für 60 Millionen Euro renoviert werden. Dafür werden und wurden Spenden gesammelt. Jedes Jahr besuchen rund 13 Millionen Menschen die Kathedrale. Seit den islamistischen Terroranschlägen, die Frankreich in den vergangenen Jahren heimgesucht hatten, wird die Kathedrale von Soldaten bewacht. Wie schwer die Kathedrale beschädigt ist, ist nicht abzuschätzen. In Paris befürchtet man das Schlimmste.

 Das Feuer  breitete sich vom Dachboden über weite Teile der Kathedrale aus.  Es könnte bei Bauarbeiten ausgebrochen sein.
Das Feuer  breitete sich vom Dachboden über weite Teile der Kathedrale aus.  Es könnte bei Bauarbeiten ausgebrochen sein. FOTO: dpa / Thibault Camus