Nach dem Unglück von Madeira: Über der Blumeninsel liegt tiefe Trauer

Nach dem Busunglück : Über der Blumeninsel liegt tiefe Trauer

Nach dem grausigen Busunfall mit 29 Toten auf Madeira sitzt der Schock tief. Einige Verletzte sollen noch vor Ostern heim nach Deutschland kommen.

Der Unglücksbus von Madeira ist keine 24 Stunden nach dem tödlichen Unfall schon abtransportiert. Zurück bleiben an dem steilen Abhang im Örtchen Caniço die Spuren der Tragödie, die 29 Urlauber das Leben gekostet hat.

Der weiße Reisebus hatte sich am Mittwochabend an einem Abhang überschlagen und war in ein Gebäude am Ende der Böschung gekracht. Der Bewohner war zum Unfallzeitpunkt bei Verwandten – ein Glücksfall für den Mann, den einzigen Betroffenen, der das Unglück unversehrt überlebt hat.

„Man kann nichts tun, man kann nur weinen“, sagt eine Augenzeugin, die von der Straße aus tief bewegt auf den Unglücksort blickt. Auch andere haben Tränen in den Augen. Helfer kehren derweil Scherben der Busfenster zusammen, richten ein mitgerissenes Stromkabel wieder auf. Ein eingeknicktes Verkehrsschild „40 km/h“ liegt im Gras. Oben, neben der Fahrbahn, hat jemand eine Kerze und einen kleinen Blumenstrauß aufgestellt.

Arbeiter holen schwere Betonblöcke von einem Lastwagen und stellen sie in der langen Linkskurve auf, die dem Bus zum Verhängnis wurde. Hätte sich der Unfall verhindern lassen, wenn die Blöcke dort schon am Mittwoch gestanden hätten? Viele Fragen sind offen.

Madeira ist für viele Reisefans, gerade auch aus Deutschland, ein Sehnsuchtsziel. Kurz vor Ostern grünt und blüht die Blumeninsel im Atlantik bereits. Zwei Tage vor Karfreitag aber gibt es auf Madeira Regenschauer, viel Wind und Temperaturen unter 20 Grad. An diesem typischen Apriltag schlägt für knapp 60 Urlauber das Schicksal zu. Was ein fröhlicher Ausflug in die Hauptstadt Funchal samt typisch madeirischem Dinner werden sollte, endet schon nach wenigen Minuten in einer Katastrophe. Vom schmucken Hotel „Quinta Splendida“ bricht die Gruppe – vermutlich fast alles Deutsche – gegen 18.30 Uhr in das wenige Kilometer entfernte Lokal auf. Aber in einer abfallenden Linkskurve kommt der voll besetzte Bus plötzlich von der Straße ab und durchbricht ein Geländer. 29 Menschen sterben, fast genauso viele werden verletzt.

Ein deutsches Ehepaar sagt im portugiesischen Fernsehen, es habe wohl nur deshalb leicht verletzt überlebt, weil es die Sicherheitsgurte angelegt hatte. Die meisten Insassen sind aus dem Bus herausgeschleudert worden. Der Fahrer hatte zuvor nach Angaben von Augenzeugen mit allen Mitteln versucht, den Unfall zu verhindern und anzuhalten. Ohne Erfolg.

Augenzeugen stehen minutenlang wie betäubt über der Böschung. Es sei eine „ohrenbetäubende Stille“ eingetreten, „ein Schrei aus Stille, wie in einem Schockzustand“, berichtete eine Frau im Fernsehen.

51 Fahrgäste des Busses hatten ihren Osterurlaub auf der Blumeninsel beim Reiseveranstalter trendtours gebucht. Es habe sich nicht um eine feste Gruppe gehandelt, sondern um Urlauber aus ganz Deutschland, sagte eine Mitarbeiterin des Hotels „Quinta Splendida“. Angehörige der Opfer waren am Freitag nach trendtours-Angaben auf dem Weg nach Madeira. Die meisten verletzten Deutschen sollen diesen Samstag zurück in die Heimat gebracht werden, wie Portugals Präsident Marcelo Rebelo de Sousa nach einem Besuch im Krankenhaus Dr. Nélio in Funchal bestätigte. Vom Auswärtigen Amt hieß es zuvor bereits, ein Flugzeug der Bundeswehr stehe für die Rückkehr der Verletzten bereit. Am Unglücksort legte der Präsident einen Kranz nieder.

Der Unglücksbus mit 51 Insassen war Mittwochabend einen Abhang hinuntergestürzt. Foto: dpa/Uncredited

Madeira steht zu Ostern unter Schock – auch wenn der Bus nicht mehr zu sehen ist und das klaffende Loch in dem beschädigten Haus abgedeckt wurde. Was ist geschehen? Versagten die Bremsen des relativ neuen Fahrzeugs? Und warum war die Straße nicht besser gesichert? Die Aufarbeitung wird dauern – vor allem für die Betroffenen.

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