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Nach dem Schuldspruch von Harvey Weinstein sind die Betroffenen erleichtert

Prozess gegen Harvey Weinstein: : Erleichterung nach Weinstein-Schuldspruch

Mit Sorge haben die Betroffenen im Prozess gegen den Ex-Filmmogul auf das Urteil gewartet. Jetzt überwiegen Freude und neuer Lebensmut.

Schauspielerin Mira Sorvino bricht in Tränen aus, als sie ihre Reaktion auf die Verurteilung von Ex-Filmmogul Harvey Weinstein wegen sexueller Übergriffe beschreibt.

„Harvey Weinstein hat in den Leben vieler herumgespukt, selbst in unseren Alpträumen – lange nachdem er tat, was er jeder von uns ursprünglich angetan hat“, sagt Sorvino am Montag (Ortszeit), kurz nach der Urteilsverkündung. „Wir haben endlich diese Macht zurückgenommen, wir haben seinen bösen Teil offengelegt“, sagt sie, und ihre Stimme bricht.

Für die MeToo-Bewegung war es ein Meilenstein, als Weinstein am Montag schuldig gesprochen wurde, eine angehende Schauspielerin 2013 vergewaltigt zu haben und eine weitere Frau 2006 sexuell angegriffen zu haben. Nicht für schuldig befand ihn die Jury dagegen des „raubtierhaften sexuellen Angriffs“, was für ein Weinstein eine lebenslange Haftstrafe hätte bedeuten können.

Dem Ex-Filmmogul drohen nun 25 Jahre Haft. Weinsteins Anwälte kündigten an, Berufung einzulegen. Er hat stets betont, jeglicher Sex sei einvernehmlich gewesen. Schauspielerin Rose McGowan ist eine der ersten Frauen, die Weinstein beschuldigten: „Ausnahmsweise wird er erfahren, wie es ist, wenn ihm die Macht um den Hals gewickelt ist.“

Betroffene sagten teils, ihr größter Triumph sei es, dass Frauen endlich geglaubt werde, wenn sie Anschuldigungen sexueller Übergriffe hervorbringen. „Ich habe wieder Vertrauen, dass Frauen geglaubt wird, wenn sie sich melden“, sagt Caitlin Dulany.

„Wir haben wirklich gehofft, dass wir die Welt damit ändern werden, und heute ist ein gutes Indiz, dass wir uns auf diesem Weg befinden“, sagt sie. „Es ist wie wenn der Himmel wieder blau ist.“

Viele sprachen von der Notwendigkeit, Gesetze für Sexualverbrechen zu verschärfen. Unter ihnen die Schauspielerin Rosanna Arquette. „In Zukunft müssen wir die Stärkung von Gesetzen aktiv verfolgen und Schlupflöcher in unserem Strafsystem schließen“, sagte sie am Telefon, „sodass mehr Vergewaltigungsfälle verfolgt werden und Vergewaltiger für ihre Verbrechen verantwortlich gemacht werden.“

Besonderes Lob bekam die „Sopranos“-Schauspielerin Annabella Sciorra, von deren Aussage die Anklagepunkte des „raubtierhaften sexuellen Angriffs“ abhingen. Sciorra hatte dem Gericht gesagt, dass Weinstein Mitte der 1990er Jahre in ihre Wohnung eingedrungen sei, sie vergewaltigt und zum Oralsex gezwungen habe.

Die Schauspielerin nannte ihre Aussage „schmerzhaft, aber notwendig“. „Ich habe für mich selbst gesprochen, mit der Stärke der 80 oder mehr Opfer von Harvey Weinstein in meinem Herzen“, teilte sie mit. „Wir können es niemals bereuen, die Stille durchbrochen zu haben.“

Zwischen den Betroffenen bildete sich im Lauf der Zeit eine enge Verbindung. Sorvino erzählt, sie habe Ende 2017 einen unerwarteten Anruf von Sciorra bekommen, als Sorvino ihre ersten Anschuldigungen gegen Weinstein erhoben hatte. Sie kannten sich seit Jahren, wussten aber nicht, dass es eine weitere, dunkle Verbindung zwischen ihnen gibt. Sie hätten zwei Stunden am Telefon gesprochen, sagt Sorvino. Kurz danach beschloss Sciorra, mit ihrer Geschichte und mithilfe des Journalisten Ronan Farrow an die Öffentlichkeit zu gehen.

Einst Hollywood-Titan, nun Schuldiger: Harvey Weinstein. Foto: dpa/Seth Wenig

„Die Ära der Straflosigkeit für mächtige Männer, die Menschen vergewaltigen, ist vorbei“, sagt Sorvino. „Das haben wir gemeinsam geschafft.“