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Mit 70 noch lange nicht beim alten Eisen

Mit 70 noch lange nicht beim alten Eisen

Osnabrück. Die Generation "50 plus" steht einer neuen Untersuchung zufolge politisch eher links, will auch nach dem 65. Lebensjahr noch arbeiten und hat regelmäßig "variantenreichen Sex" mit dem Ehepartner. Das sind die zentralen Ergebnisse der bundesweit bisher größten Online-Befragung dieser Altersgruppe, die gestern an der Universität Osnabrück vorgestellt wurde

Osnabrück. Die Generation "50 plus" steht einer neuen Untersuchung zufolge politisch eher links, will auch nach dem 65. Lebensjahr noch arbeiten und hat regelmäßig "variantenreichen Sex" mit dem Ehepartner. Das sind die zentralen Ergebnisse der bundesweit bisher größten Online-Befragung dieser Altersgruppe, die gestern an der Universität Osnabrück vorgestellt wurde. Die Initiatoren hatten 3880 Menschen zwischen 50 und 70 Jahren nach ihren Einstellungen und Gewohnheiten befragt.

Die Generation der jungen Alten, die bislang nur unter demografischen Gesichtspunkten betrachtet worden sei, werde die Gesellschaft revolutionieren, sagte Professor Dieter Otten: "Bislang wurde nicht diskutiert, was diese Generation denkt." Nach der Studie beurteilen 80 Prozent aller 50-plus-Paare ihre Beziehungen als gut bis sehr gut. 90 Prozent verbringen ihre Zeit am liebsten mit dem Partner. Im Trend lägen dabei Erlebnisreisen, ausgedehnte Kinobesuche und Tanz-Parties.

Die relativ homogene Gruppe der 50- bis 70-Jährigen bilde die Mehrheit der Gesellschaft. Sie sei geprägt durch die Ideen der 1968er-Bewegung und einen Wertewandel weg von traditionellen Rollenmustern. "Und sie sind geistig und körperlich nicht alt", betonte der Soziologe. Das beste Beispiel biete der 70-jährige vitale Schauspieler Götz George. "Wer mit 70 nicht alt ist, hat natürlich in diesem Alter auch noch Sex", so Otten.

Gesellschaftspolitisch bedeutsam ist nach Ansicht Ottens vor allem der Wunsch der überwiegenden Mehrheit, nicht mit 65 Jahren aus dem Berufsleben auszuscheiden: "Das sind 22 Millionen Menschen. Darauf hat die Politik keine Antwort." Auch die Tatsache, dass diese Menschen irgendwann pflegebedürftig würden und zum großen Teil keinen familiären Rückhalt hätten, werde zu wenig bedacht: "Wenn acht Millionen Menschen Heimplätze brauchen, ist das mit herkömmlichen Methoden gar nicht zu bewältigen."

Gut zwei Drittel der Befragten hätten angegeben, ökologisch und linksliberal zu wählen, berichtete der Soziologe. Die Mehrheit sei religiös nicht gebunden. "Da mache ich mir ernsthaft Sorgen um die christdemokratische Partei in Deutschland", sagte Otten. Andererseits sei die Generation geprägt von einem soliden Verfassungspatriotismus. Sie sei stolz auf die freiheitlich-demokratische Grundordnung und bereit, sie zu verteidigen. Insgesamt sei die Generation erstaunlich homogen, wenngleich es auch die traditionsverwurzelten, konservativen Rentner gebe. Doch die seien deutlich in der Minderheit.

Die repräsentative Internet-Studie werde der Start zu einer Langzeituntersuchung sein, kündigte Otten an. Alle zwei bis drei Jahre sollen die Interview-Partner erneut befragt werden. Die Ergebnisse der Studie sind in dem Buch "Die 50plus-Studie" zusammengefasst.