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Mindestens zehn Menschen sterben bei Brand in Paris

Flammeninferno : Hat eine Frau das Feuer gelegt?

Mindestens zehn Menschen sind bei einem Hochhausbrand in Paris ums Leben gekommen. Eine Frau wurde festgenommen.

Der Feuerwehrmann macht keine Ausnahmen. Erst als der Botschafter von Kamerun seinen Diplomatenausweis vorzeigt, kann er die Absperrung passieren und zu seiner Wohnung gehen. „Haben wir jetzt schulfrei?“ fragt ein Junge, dessen Schule sich in der Rue Erlanger befindet und der nicht vorbeigelassen wird. Der Grund: In der engen Straße im 16. Arrondissement im wohlhabenden Südwesten von Paris ist es in der Nacht zu einem schweren Brand in einem Mehrfamilienhaus gekommen. Mindestens zehn Menschen sind bei dem Unglück ums Leben gekommen, drei von ihnen starben, weil sie bei ihrer Flucht vor den Flammen in die Tiefe stürzten. Ein Sprecher der Feuerwehr sagt, dass etwa 40 Menschen nach ersten Erkenntnissen leicht verletzt worden seien, davon acht Feuerwehrleute.

Eine Anwohnerin eines Nachbargebäudes erzählt noch sichtlich unter Schock, dass sie kurz nach Mitternacht laute Schreie aus der oberen Etage des Hauses gehört habe. Sie habe an einen Streit gedacht, doch wenige Minuten danach seien Flammen zu sehen gewesen. Eine andere Nachbarin sagt, dass sie gegen ein Uhr nachts wegen des beißenden Brandgeruchs aufgewacht sei. „Ich bin auf den Balkon gegangen und überall waren Flammen. Es war schrecklich.“ Die Menschen in dem brennenden Haus hätten an den Fenstern gestanden und verzweifelt um Hilfe gerufen.

Am Morgen nach dem Unglück machte ein Gerücht die Runde, dass eine Frau festgenommen worden sei. Als der Pariser Staatsanwalt Rémy Heitz am Unglücksort eintraf, bestätigte er diese Vermutung. Man gehe von einem kriminellen Hintergrund aus, ergänzte er. In der Nähe des Wohnhauses sei in den Morgenstunden eine Frau festgenommen worden, die in dem Haus lebte. Es werde wegen Brandstiftung ermittelt. Die Frau soll demnach psychische Probleme gehabt haben. Nach Angaben der Tageszeitung „Le Parisien“ wurde die Frau aufgegriffen, weil sie auf der Straße versucht habe, unmittelbar vor dem bereits brennenden Haus ein Auto anzuzünden, während die Feuerwehrleute versuchten, den Brand in dem Gebäude zu löschen.

Der Kampf gegen die Flammen sei besonders schwer gewesen, weil das Wohnhaus im Innenhof brannte, den die Feuerwehr nicht mit ihren Drehleitern erreichen konnte, beschrieb Feuerwehrsprecher Valérian Fuet den gefährlichen Einsatz. „Als wir ankamen, loderte das Feuer bereits auf mehreren Etagen. Die Bewohner standen an den Fenstern und auf dem Dach.“ In dieser Situation mussten sich die Feuerwehrleute mit Handleitern von Balkon zu Balkon zum Brandherd vorkämpfen, der sich nach Erkenntnissen von Valérian Fuet in der siebten oder achten Etage befand.

Erst nach knapp sechs Stunden konnten die Flammen von den rund 250 Feuerwehrleuten schließlich gelöscht werden. Sofort machten sich danach Fachleute der Polizei auf die Suche nach der Brandursache. Die mussten allerdings mit besonderer Vorsicht vorgehen. „Es besteht Einsturzgefahr zwischen der siebten und achten Etage“, erklärte Feuerwehrsprecher Fuet. Und: „Wir wissen nicht, ob wir noch Opfer in den zerstörten Wohnungen finden.“ Aus Sicherheitsgründen wurden auch die Gebäude rechts und links neben dem betroffenen Wohnhaus in der Rue Erlanger evakuiert.

Noch am Morgen eilte Frankreichs Innenminister Christophe Castaner an den Unglücksort. Er lobte den „unglaublichen Einsatz“ der Feuerwehrleute, die „50 Menschen unter schwersten Bedingungen aus dem brennenden Haus gerettet haben“.

Auch der französische Präsident Emmanuel Macron hob die Leistung der Feuerwehr hervor. „Gedanken an die Opfer. Vielen Dank an die Feuerwehrleute, deren Mut viele Leben gerettet hat“, schrieb er auf Twitter. Die Bürgermeisterin der französischen Hauptstadt, Anne Hidalgo, sprach den Angehörigen der Opfer ebenfalls via Twitter ihr Beileid aus. „Ich möchte meine tiefe Traurigkeit zum Ausdruck bringen und ihnen meine volle Unterstützung zusichern.“

Es ist das zweite Mal in kurzer Zeit, dass Paris von einem schweren Unglück erschüttert wird. Erst im Januar waren bei einer Gasexplosion in einem Haus mitten in der Pariser Innenstadt vier Menschen ums Leben gekommen – darunter zwei Feuerwehrleute. Dutzende Menschen erlitten Verletzungen.