Mehr als nur UV-Schutz

Eigentlich soll sie vor allem UV-Strahlen abwehren. Tatsächlich aber ist die Sonnenbrille weniger ein praktischer Alltagshelfer als vielmehr ein Mode-Accessoire – das oft mehr über seinen Träger preisgibt, als er glaubt.

Zeige mir, was du auf der Nase trägst, und ich sage dir, wer du bist. Sonnenbrillen verraten so manches über ihre Träger. Kurz vor dem Sommerstart und der Sonnenbrillen-Hochsaison gibt es eine Brillen-Typologie, jedoch ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Atzenbrille: Ist eigentlich keine Sonnen-, sondern eine Gitterfensterbrille und ein Muss bei manchem Partygänger. Knallige Farben sind Pflicht. En vogue waren die "Shutter Shades" eigentlich in den späten 2000ern, trotzdem sind sie noch immer vor allem in Touristen-Shops zu finden.

Blues Brothers: So ging cool in den 1980ern, so geht cool noch heute. Auch wer das Modell nicht im Gedenken an das legendäre Geschwisterpaar Jake und Elwood Blues, den Blues Brothers, trägt, liegt derzeit modisch richtig. Wer dazu noch lässig fallen lässt, er sei "im Auftrag des Herrn unterwegs", macht alles richtig.

Echt alt: Wer eine Retro-Brille trägt, bummelt entweder gern über Flohmärkte oder hat das bewundernswerte Talent, sich nicht jeden Sommer auf mindestens zwei Gestelle zu setzen.

Fake: Bei den Trägern einer gefälschten Brillenmarke muss sorgfältig unterschieden werden: Fake-Typ Eins will so tun, als könne er es sich leisten. Fake-Typ Zwei dagegen setzt auf die besondere Art des Unterstatements und trägt deshalb Modelle, die spätestens auf den zweiten Blick als Fälschung zu erkennen sind. Botschaft: Ich nehme eure Konsumgesellschaft auf den Arm. Oder eher auf die Nase.

Heino-Brille: Was manchen entgeht - es gibt gar keine Heino-Brille. Fotos belegen, dass der Sänger die Modelle wechselt. Es gibt aber eine Heino-Attitude. Dunkle Gläser, und zwar immer - drinnen, draußen, tags, nachts.

John Lennon: Klein und rund, so mochte der Ex-Beatles-Star seine Brillengläser. Die Männer, die sie heute noch als Sonnenbrille mögen, sind oft jenseits der 40 und tragen die Haare lang. Botschaft: Ich bin ein Hippie, ich bin ein Freigeist, ich könnte gern Gitarre spielen. Inzwischen werden Hipster gesichtet, die ihnen nacheifern.

Kinderbrille: Tragen Kinder? Fehlanzeige. Bunte Plastikgestelle, gern gemustert, sitzen neuerdings auch auf erwachsenen Nasen. Botschaft: Ich bin kreativ, verspielt und würde gern zu Peter Pan nach Nimmerland ziehen, wo ich immer Kind bleiben darf.

Label: Ein geschwungener Schriftzug auf dem Glas oder ein dickes Logo auf dem Bügel ist Pflicht. Die Botschaft: Ich kann es mir leisten. Die Ausrede: Die billigen Brillen sahen alle blöd aus.

Pilot: Kaum ein Träger der Piloten- oder auch Porno-Brille saß schon mal in einem Cockpit. Wie die "Topgun"-Stars wollen sie sich trotzdem fühlen. Dass auch Frauen sich die Gestelle aufsetzen, ist als Trend eher neu. Nachteil: Sitzt beim Lachen oft auf den Wangen auf. Also bitte Pokerface.

Riesig und Rund: Gern als Modell "Diva" oder "Libelle" betitelt und verspottet. Hinter diese Gläser passt ein ganzes Gesicht, Augenringe und verschmierte Wimperntusche inklusive. Botschaft: Ich habe einen Grund, mich zu verstecken. Vielleicht bin ich berühmt. Vielleicht war ich die ganze Nacht im Club. Jedenfalls will ich so aussehen.

Schmetterling: Die Fernsehserie "Mad Men" hat es geschafft: Die 1960er Jahre sind in. Mit der Schmetterling- oder Katzenbrille darf frau sich ein bisschen fühlen wie Joan oder Betty. Botschaft: Halte mir die Tür auf, nimm mir den Mantel ab. Aber bevormunde mich nicht, wir haben das Jahr 2013.

Verspiegelt-Bunt: War mal auf der Skipiste angesagt, sollte da gleichzeitig vor Sonnenlicht schützen und lustig sein. Jetzt von Modekennern zum Trend erklärt. Und zwar form-unabhängig: Nerd-Brille, Pilotenbrille, alles gibt's mit bunten Gläsern. Botschaft: Vielleicht schäme ich mich bald dafür. Aber erst mal bin ich in.

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HintergrundSahara-Hitze vom Rhein bis an die Oder: Die Sonne hat Deutschland gestern ordentlich ins Schwitzen gebracht. Die gemessenen Temperaturen stiegen vielerorts auf um die 35 Grad an. Die "gefühlten" Temperaturen lagen verbreitet sogar um die 40 Grad. Für den gefühlten Wert - er liegt um rund zehn Grad über dem gemessenen - werden Faktoren wie Sonneneinstrahlung, Luftfeuchtigkeit und Wind einbezogen. Je mehr Sonne und Feuchtigkeit und je weniger Wind, desto höher die gefühlte Temperatur und damit die Hitzebelastung. Im Südosten des Landes war es an einem 19. Juni noch nie so heiß: in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen verbreitet Hitzerekorde geknackt. Besonders schwül und heiß war es thüringischen Schmalkalden. Dort erreichte die Quecksilbersäule bis 14 Uhr exakt 35,3 Grad. In Baden-Württemberg sprengte die Gluthitze sogar ein Stück der Autobahn 8. dpa