Mars-Landung in Moskau

Moskau. Nach 250 Tagen im Container sieht die russisch- europäisch-chinesische Raumfahrt-WG in Moskau an diesem Samstag "Rot". Dann landen die seit mehr als acht Monaten von der Außenwelt fast völlig isolierten Teilnehmer des Raumfahrt-Experiments virtuell auf dem Mars. Der Rote Planet wird in Moskau von einer dunklen Halle mit Sand und Steinen dargestellt

Moskau. Nach 250 Tagen im Container sieht die russisch- europäisch-chinesische Raumfahrt-WG in Moskau an diesem Samstag "Rot". Dann landen die seit mehr als acht Monaten von der Außenwelt fast völlig isolierten Teilnehmer des Raumfahrt-Experiments virtuell auf dem Mars. Der Rote Planet wird in Moskau von einer dunklen Halle mit Sand und Steinen dargestellt. Zwar steht ein bemannter Mars-Flug in den Sternen. Doch seit Juni 2010 simulieren sechs Männer aus Russland, China, Italien und Frankreich in dem Projekt Mars500 die über 100 Millionen Kilometer weite Reise.

"Diese geschlossene Gesellschaft ist ein Paradies für Forscher", sagt Alexander Choukèr von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Der Anästhesist nutzt die Isolation der "Raumfahrer", um mithilfe ihrer Urin- und Speichelproben die Wirkung von Stress auf das Immunsystem zu untersuchen. Parallel analysieren Wissenschaftler der Universität Erlangen die Balance des Salz- und Wasserhaushalts, sagt Arzt Jens Titze. "20 Millionen Deutsche haben einen zu hohen Blutdruck, wir prüfen den Einfluss von Kochsalz." Dafür müssen die sechs Männer einen strengen Diätplan einhalten.

"Das Experiment ist kein Spiel, sondern ein Projekt auf Weltniveau", schwärmt Direktor Igor Uschakow vom Moskauer Institut für biomedizinische Probleme IBMP. In röhrenförmigen Modulen sind dort Forschungs-, Versorgungs-, Wohn- und Landetrakt untergebracht. Wie bei der TV-Show "Big Brother" übertragen Kameras im fensterlosen Container das Geschehen in einen benachbarten Kontrollraum. Gespräche werden aber nicht mitgehört. "Natürlich kommt es 'an Bord' zu Konflikten", räumt Boris Morukow vom IBMP ein.

An der "Reise" vom Roten Platz zum Roten Planeten beteiligen sich das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum DLR sowie die Europäische Weltraumbehörde ESA mit etwa zwei Millionen Euro. "Zwei Tage nach der virtuellen Landung wird am 14. Februar vermutlich der Russe Alexander Smolejewski als erster Mensch den 'Mars' betreten", erzählt DLR-Manager Peter Gräf. Nach drei Spaziergängen dauert der "Rückflug" acht Monate, bis sich am 5. November die versiegelte Luke öffnet. "Das ist wegen der Monotonie die schwerste Phase", meint Gräf. Jeder Teilnehmer kann das Experiment aber jederzeit abbrechen.

Um die Monotonie zu durchbrechen, spielt die IBMP-Leitung simulierte Probleme wie einen 20-stündigen Ausfall der Wasser-, Frischluft- und Stromversorgung vor, die die Männer ohne große Hilfe von außen lösen müssen. Daneben schlagen die "Raumfahrer" die Zeit mit Musizieren oder Kochen tot. "Zwar fehlen bei unserem Experiment die Schwerelosigkeit und die Strahlung im Weltraum", räumt IMBP-Sprecher Mark Belakowski ein. "Für die Grundlagenforschung ist das Projekt aber unersetzbar."