Marihuana-Überangebot in den USA: Zu viel Gras im Wilden Westen

Überschüsse : Zu viel Gras im Wilden Westen

Der US-Bundesstaat Oregon will so bekannt für Cannabis werden wie Kentucky für Bourbon. Doch erstmal kämpft er gegen ein Überangebot.

In Oregon stapelt sich das Marihuana. Würde der Anbau von legalem Cannabis in dem US-Staat heute verboten, würde es schätzungsweise mehr als sechs Jahre dauern, bis alles verbraucht wäre. Jetzt will die Regierung in der Hauptstadt Salem die Produktion einschränken.

Vor fünf Jahren hatten die Wähler hier dafür gestimmt, den Konsum von Marihuana zu Freizeitzwecken zu legalisieren. Weil inzwischen aber zu viel Gras im Umlauf ist, gaben die Abgeordneten im Repräsentantenhaus von Oregon der zuständigen Kontrollkommission nun mehr Spielraum, um auf Grundlage von Angebot und Nachfrage neue Lizenzen zum Anbau des Rauschmittels zu verweigern. Die Kammer verabschiedete am Donnerstagabend mit 39 zu 18 Stimmen ein entsprechendes Gesetz, dem zuvor bereits der Senat zugestimmt hatte. Ziel ist nicht nur der Abbau des riesigen Überschusses. Vielmehr soll auch vermieden werden, dass unverkauftes legales Marihuana auf den Schwarzmarkt umgeleitet wird und möglicherweise die Bundesbehörden auf den Plan gerufen werden.

„Die bittere Wahrheit ist, dass wir zu viel Ware auf dem Markt haben“, sagte die demokratische Gouverneurin Kate Brown, die das neue Gesetz unterzeichnen will. Aktuell ist das Angebot laut Behördenangaben doppelt so hoch wie die Nachfrage. Damit könnte sich allein der Ernteüberschuss aus dem vergangenen Jahr auf etwa 2,3 Millionen Pfund Marihuana belaufen. Das entspricht mehr als einer Milliarde Joints.

Oregon hat eines der höchsten Ungleichgewichte unter den zehn US-Staaten, die seit 2012 den Freizeitkonsum von Marihuana legalisiert haben. Grund ist auch ein Vorsprung Oregons im Geschäft. Der Staat mit seinem feuchten Klima und seiner nährstoffreichen Erde hat eine lange Geschichte des Dope-Anbaus. Als dieser gesetzlich erlaubt wurde, wechselten viele bis dato heimliche Züchter in die Legalität, und neue kamen hinzu.

Sie alle bauen das Rauschgift heute auf einer Vielzahl von Feldern, in Treibhäusern und umgebauten Fabriken an. In den vergangenen drei Jahren erteilten die Behörden 1123 Produktionslizenzen.

Das neue Gesetz könnte sich nun als Rettungsanker für einige Cannabis-Unternehmen erweisen, die auf dem Markt unter dem Druck stehen. Der Verkaufspreis für legales Marihuana in Oregon sank von mehr als zehn Dollar (etwa neun Euro) pro Gramm im Oktober 2016 auf weniger als fünf Dollar im Dezember 2018. Zugleich bekommen kleinere Marihuana-Unternehmen die Konkurrenz von größeren und reicheren Playern zu spüren, die zum Teil außerhalb des Staates ansässig sind.

Die Behörden fürchten, dass einige Lizenzinhaber aus Verzweiflung ihre Ware lieber auf den Schwarzmarkt umleiten, bevor sie darauf sitzen bleiben. „Wir sind eine sehr junge Industrie“, sagt Margo Lucas, die im Willamette Valley Marihuana züchtet und verkauft. Sie hofft darauf, dass das neue Gesetz ihrem Unternehmen eine Atempause verschafft. Marihuana-Züchter könnten keinen Insolvenzschutz bei den Bundesbehörden beantragen, sagt die Züchterin – laut Bundesgesetz ist Cannabis noch immer illegal, und Banken wollen mit der Industrie meist nichts zu tun haben. Viele Inhaber hätten Privatkredite aufgenommen, um ihr Geschäft zu finanzieren, sagt sie. Das neue Gesetz sieht sie als Unterstützung.

Gegner fürchten indes, dass es Züchter, denen eine Lizenz verweigert wird, in den illegalen Markt treiben werde, wenn sie nicht bereits dort gelandet seien. Von einem „riesigen Rückschritt hin zur Prohibition“ ist die Rede. Eine Obergrenze für die Zahl der Lizenzen, die vergeben werden können, legte der Staat bisher indes nicht fest.

Langfristig hoffen die Produzenten, dass die Trump-Regierung in Washington den zwischenstaatlichen Handel mit Marihuana erlaubt. Das würde einen großen Markt für das bekannte Cannabis aus Oregon eröffnen. „Wir werden das sein, was der Bourbon für Kentucky ist“, sagt Senator Floyd Prozanski.