Maria Ladenburger in Freiburg getötet, Stiftung unterstützt Studenten

Getötete Freiburger Studentin : Eine Patin für die Menschlichkeit

Die Freiburger Medizinstudentin Maria Ladenburger ist vor drei Jahren ermordet worden. Die Eltern gründen eine Stiftung. Das, wofür sich ihre Tochter engagierte, soll weiterleben, sagen sie.

Der Mord an der 19 Jahre alten Medizinstudentin Maria Ladenburger in Freiburg löste überregional Bestürzung aus. Die Tat ereignete sich vor drei Jahren, am 16. Oktober 2016. Sie verschärfte den Ton in der Debatte über die deutsche Flüchtlingspolitik. Der Mörder, ein junger Flüchtling, wurde im vergangenen Jahr zu lebenslanger Haft verurteilt. Danach gründeten die Eltern der Studentin die nach ihr benannte Maria-Ladenburger- Stiftung. Diese setzt sich für Studenten in schwierigen Lebenslagen ein. „Wir arbeiten für die Ziele und Werte, für die sich Maria in ihrem Leben eingesetzt hat“, sagt Michael Lauk. Der 49 Jahre alte Start-up-Unternehmer ist Vorsitzender des Verbandes der Freunde der örtlichen Universität und führt auch die Maria-Ladenburger-Stiftung.

Zum dritten Jahrestag des Mordes rückt deren Arbeit in den Blick. „Wir sind keine politische Stiftung“, sagt Lauk. „Wir wollen vielmehr ein Zeichen der Menschlichkeit setzen mit der Unterstützung Hilfsbedürftiger und so Marias Ziele und Ideale in ihrem Sinne ein Stück weiterleben lassen.“

Die junge Frau aus dem Enzkreis in Baden-Württemberg war nach Freiburg zum Studieren gekommen. Sie wollte Ärztin werden, um Menschen zu helfen, wie ihre Eltern erklärten, als sie im März in Berlin den Bürgerpreis der deutschen Zeitungen erhielten. Sie wirkte gemeinsam mit anderen Studierenden in ihrer Fachschaft Medizin und engagierte sich sozial, auch in der Entwicklungshilfe. Getragen wird die Stiftung von der Familie Ladenburger und von Ehrenamtlichen. Der Schwerpunkt liegt an der medizinischen Fakultät. Hinzu kommen Projekte aus den Fachrichtungen Biologie, Pharmazie und Umweltwissenschaften. Hilfen beantragen können auch Studenten, die in finanzielle Not oder in andere Schwierigkeiten geraten und deren Studium in Gefahr sei, wie ein Sprecher der Hochschule erklärt.

„In den ersten eineinhalb Jahren ihres Bestehens hat die Stiftung Fördermittel in Höhe von rund 25 000 Euro ausgezahlt. Gefördert wurden damit mehr als 20 Studenten und Studentengruppen sowie die Studienstarthilfe des Studierendenwerks“, sagt Lauk. Die Stiftung sei, wie andere auch, in Zeiten niedriger Zinserträge auf zusätzliche Spenden angewiesen.

Auch aus diesem Grund ist die Stiftung öffentlich präsent, sagt Lauk, der das Mordopfer persönlich nicht kannte und der sich an die erste Begegnung mit den Eltern erinnert: „Mir ist erst damals aufgefallen, wie sehr der Fokus in der Öffentlichkeit auf der Tat und auf dem Täter liegt.“ Für das oder die Opfer von Straftaten gebe es kaum Beachtung. „Für mich persönlich war es eine bewegende Erfahrung, mehr über den Menschen Maria zu erfahren“, sagt Lauk.

Gefördert wird den Angaben zufolge unter anderem eine Studentengruppe aus der Biologie. Sie forscht im Bereich neuer Wirkstoffe zur Lösung der weltweit drohenden Krise wegen Antibiotika resistenter Keime und Bakterien. Auch Projekte zur Entwicklungshilfe in Afrika und Asien erhielten Unterstützung sowie Studierende, die sich in Entwicklungs- und Schwellenländern für die Sterilisation medizinischer Geräte engagieren. Krankheiten und Todesfälle sollen so verhindert werden.

Nach dem Mord erhielt die Familie des Opfers von rechten Gruppen Hass- und Drohbotschaften, sagt Lauk. Sie habe sich jedoch nicht beirren lassen. Die Stiftung sei daher auch ein Signal „gegen Hass und Gewalt und für mehr Menschlichkeit in unserer Gesellschaft“. Für Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn (parteilos) ist die Familie ein Vorbild: „Ihre mutige und standfeste Haltung ermutigt uns, für den Zusammenhalt und für unsere Werte in unserer Gesellschaft einzustehen.“ Die Stiftung sei dafür ein gutes Mittel, weil sie diese Werte in die Gesellschaft trage.