Mallorca glüht schon vor dem Sommer

Madrid · Die spanischen Behörden haben für die nächsten Tage in vielen Regionen Hitzealarm ausgelöst – und das lange vor dem eigentlichen Sommerbeginn. Bis zu 40 Grad im Schatten zeigen mancherorts die Thermometer.

Drinnen brummen die Klimaanlagen auf Hochtouren, draußen quälen sich die Menschen auf der Schattenseite durch die glühenden Straßen Spaniens. Das südeuropäische Land stöhnt in diesen Tagen unter der schlimmsten Hitzewelle, die im Königreich je im Mai gemessen wurde. Bis zu 40 Grad im Schatten markieren die Thermometer mancherorts. Die Behörden lösten für die nächsten Tage in vielen Regionen Hitzealarm aus. Und forderten die Menschen - fast wie in Notstandszeiten - auf, "an geschützten Orten zu bleiben" und vor den Fenstern "die Rollläden herunter zu lassen".

"Der Sommer hat sich in der Jahreszeit geirrt", melden die Mittagsnachrichten im Fernsehen. Der Wettermann steht vor einer gefährlich funkelnden Spanienkarte und spricht von "afrikanischen Luftmassen", die sich über dem Königreich breitmachen und auch noch feinen gelblichen Wüstensand niederrieseln lassen. Orange und rot leuchtet es auf der Wetterkarte. Diese Farben stehen für jene Höllenhitze, die derzeit die spanische Halbinsel in die Bratpfanne Europas verwandelt. Erst Ende der Woche soll es wieder erträglicher werden.

Besonders heiß ist es derzeit in der südspanischen Region Andalusien, wo sich die Temperaturen in den berühmten Städten Sevilla, Granada oder Cordoba auf im Mai noch nicht gesehene Rekordwerte hochschaukeln. Auch auf den Kanarischen Inseln, vor allem auf Gran Canaria und Fuerteventura, nähern sich die Quecksilbersäulen der 40-Grad-Marke. Genauso wie an der Costa Blanca, wo die Bruthitze im Raum Valencia und Alicante dazu führt, dass sich die Menschen nur noch im Zeitlupentempo auf der Straße bewegen.

Sogar in der spanischen Hauptstadt Madrid , in der drei Millionen Menschen leben, dampft der Asphalt. Bei höllischen Schattentemperaturen um die 37 Grad im Schatten ist das Leben in der City dieser chronisch verstopften und abgasvernebelten Metropole noch unerträglicher. Touristen bevölkern die Brunnenränder, lassen sich von Fontänen kühlen. Lange Schlangen vor den Eisverkäufern sorgen für Rekordumsätze. In der grünen Lunge der Stadt, dem zentralen Retiro-Park, sind Schattenplätze unter den Kastanienbäumen Mangelware.

Auf Mallorca, der beliebtesten Badeinsel Europas, geht es derzeit noch etwas erträglicher zu. Obwohl auch auf "Malle" an den Küsten jetzt schon unübliche 30 Grad und im Hinterland um die 35 Grad im Schatten gemessen werden. Und jene Vorsaison-Urlauber, die bereits im Mai zu hunderttausenden die Insel bevölkern, suchen Abkühlung im Pool oder am Strand.

Forscher sehen in derlei verrückten Wetterlagen weitere Vorboten für den angekündigten schleichenden Klimawandel. Den UN-Klimaprognosen zufolge muss sich Spanien auf größere Hitzeperioden und sinkende Niederschlagsmengen einstellen. Und auf einen langsamen, aber sicher steigenden Meeresspiegel, der bis Ende des Jahrhunderts nicht nur auf Mallorca viele Traumstrände buchstäblich verschlucken könnte.