Literarischer Rosenkrieg um Staatschef

Literarischer Rosenkrieg um Staatschef

Sieben Monate nach der Trennung von François Hollande bringt Valérie Trierweiler ein Buch heraus. Die frühere französische Première Dame rechnet darin mit dem Präsidenten ab – und stellt sich als Opfer dar.

"Danke für diesen Moment" ist nicht unbedingt der passende Titel für eine Abrechnung mit dem Ex. Doch die frühere First Lady Valérie Trierweiler wählt ihn, um sich auf ihre Weise bei dem französischen Präsidenten François Hollande zu bedanken. Auf Hollandes kühle Mitteilung des Beziehungs-Aus im Januar folgt ein 320 Seiten langes Buch, das heute in Frankreich erscheint. Und die frühere Journalistin Trierweiler , die bei den Franzosen in ihrer Zeit im Elysée extrem unbeliebt war, schont den Staatschef kein bisschen. Der Beginn ihrer Liebe, die Wahl Hollandes zum Präsidenten, die gemeinsamen anderthalb Jahre an der Macht, seine Affäre mit der Schauspielerin Julie Gayet und die anschließenden Wiederannäherungs-Versuche: alles erzählt die 49-Jährige.

"Ich nehme die kleine Plastiktüte mit den Schlafmitteln. François folgt mir. Er will mir die Tüte entreißen", schildert Trierweiler laut Auszügen in der Zeitschrift "Paris Match" die Ereignisse am 9. Januar. Das war der Tag, als sie von der Beziehung ihres Partners zu Julie Gayet erfuhr. Die Zeitschrift "Closer" kündigte damals die Veröffentlichung von Fotos an, auf denen Hollande zu sehen ist, wie er mit dem Motorroller zu seinem Liebesnest nur hundert Meter vom Elysée entfernt fährt. Lange hatte der Präsident die Beziehung zu der 18 Jahre jüngeren Gayet geleugnet, doch die Bilder in dem Klatschblatt sprechen eine andere Sprache. "Ich spüre den Sturm, der sich über mir zusammenzieht und habe nicht die Kraft zu widerstehen", erinnert sich Trierweiler . Wenig später endet sie im Krankenhaus.

Nach der Trennung versucht Hollande, seine Partnerin zurückzugewinnen. Bis zu 29 SMS soll er ihr pro Tag geschickt haben. "Seine Texte sprechen von Liebe. Er schreibt mir, dass ich sein ganzes Leben bin, dass er ohne mich nicht sein kann", zitiert die Zeitschrift "Paris Match" aus dem Buch, das sich wie ein billiger Roman liest. "Glaubt er, was er schreibt? Oder bin ich die letzte Laune eines Mannes, der es nicht erträgt zu verlieren?"

"Merci pour ce moment", so der französische Titel, ist vor allem eine Selbstdarstellung der früheren Première Dame. "Valérie Trierweiler spricht von sich selbst, natürlich. Sie versucht, das Bild von sich selbst zu korrigieren", schreibt die Zeitung "Le Monde ". Die zarte Frau mit den rotblonden Haaren und dem Porzellan-Teint gilt als hysterisch, launisch und eifersüchtig. Doch die Journalistin schildert sich selbst als Opfer der Macht. "Ich hätte verstehen sollen, dass diese neue Welt nicht für mich gemacht ist. Ich bin eigenständig und spontan. Ich bin in einem Umfeld groß geworden, wo man nichts vortäuscht."

Ihren früheren Partner beschreibt Valérie Trierweiler als kühl und herablassend. "Er ist kalt. Er lächelt nicht. Ich bin seine Handlangerin, aber ich darf selbst nichts wert sein", kommentiert sie eine Szene vor einem Staatsbankett. Die Macht habe den Präsidenten "entmenschlicht". Das Privatleben Hollandes soll in den Händen seines Vertrauten Stéphane Le Foll gewesen sein. "Wenn Du einen Abend mit François willst, musst du mich vorher fragen", zitiert Trierweiler den Landwirtschaftsminister, der die Aussage gestern sofort dementierte. "Alles, was ich sage, ist wahr", heißt es im Klappentext des Buches, das in einer Auflage von 200 000 Exemplaren erscheint. Überprüfen lässt sich allerdings nur wenig davon.