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Krabbeltiere auf deutschen Tellern?

Krabbeltiere auf deutschen Tellern?

Hat Pasta mit Grillen in Knoblauchsoße eine Zukunft in Deutschland? Bevor Insekten regelmäßig auf den Tisch kommen, gibt es zwei Probleme: Ekel und Lebensmittelsicherheit.

Eine Quiche mit Mehlwurm oder Wüstengrillen auf Mango-Maracuja-Chutney? Was nach einer Ekel-Prüfung aus dem Dschungel-Camp klingt, hat für Wissenschaftler eine andere Bedeutung. Insekten auf dem Teller werden unter Europas Forschern ernsthaft diskutiert. Es geht um Eiweiße, Fettsäuren , Nachteile der Massentierhaltung und die Welternährung. "Wir brauchen eine Umstellung unserer Nahrung", sagt Arnold van Huis, der für die Welternährungsorganisation FAO zu essbaren Insekten forscht. "Wenn der Fleischbedarf weiter steigt, bekommen wir ein Problem."

In van Huis niederländischer Heimat sind Insektenburger schon auf dem Markt. Auch Belgien, Frankreich und Dänemark preschen vor, bevor es in Europa von 2018 an mehr Regelungen zu Insekten als Nahrungsmittel geben soll. Bisher gelten sie in der EU als "neuartige Lebensmittel", die nur nach einer gesundheitlichen Bewertung und Zulassung auf den Teller kommen dürfen. "Insekten als Nahrungsquelle stoßen zunehmend auf öffentliches Interesse", berichtet Reiner Wittkowski, Vizepräsident des Berliner Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) gestern auf einer Tagung. "Umso wichtiger ist es zu klären, wie sicher diese neuen Lebensmittel sind." Vor den großen Zukunftsträumen steht eine nüchterne Bilanz: Nur jeder zehnte Deutsche, der noch nie Insekten gekostet hat, kann sich im Moment überhaupt vorstellen, die Krabbeltiere zu essen. Rund 30 Prozent würden Insekten zumindest mal probieren. 60 Prozent lehnen sie als Lebensmittel aber gänzlich ab - vor allem aus Ekel. Das ergab eine repräsentative BfR-Umfrage im April. Nach Schätzungen der FAO sind rund 1900 Insektenspezies essbar. Bei rund zwei Milliarden Menschen stehen sie bereits auf dem Speiseplan. Am beliebtesten sind Käfer, gefolgt von Raupen, Bienen, Wespen, Ameisen, Heuschrecken, Grillen, Zikaden, Termiten, Libellen und Fliegen. Vielen Forschern gelten diese Traditionen als zukunftsweisend. Denn 2050 könnten neun bis zehn Milliarden Menschen auf der Erde leben - nährstoffreiches Essen könnte knapp werden. Die Nahrungsmittelproduktion mit Hilfe von Insekten sei dabei mit Blick auf Wasser- und Futterverbrauch sowie Kohlendioxid-Erzeugung wesentlich effektiver als beispielsweise die Rinderzucht, erklärt van Huis. Insekten sind reich an Proteinen, ungesättigten Fettsäuren , Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralstoffen wie Eisen, Magnesium, Selen und Zink.

Die BfR-Wissenschaftler denken vor einer möglichen Liberalisierung aber auch über Nachteile von Insekten als Lebensmittel nach und sehen erheblichen Forschungsbedarf. Denn Insekten können Krankheitserreger wie Viren, Bakterien, Pilze und Parasiten übertragen. Und auch Insekten sind Tiere. Bei einer Zucht in Europa - als Lebens- oder Futtermittel - kommen ethische Fragen dazu.