Knast statt Haus in Spanien

Knast statt Haus in Spanien

Fahndungserfolg nach monatelangem Bangen: Ein Gaunerpaar aus dem Ruhrgebiet soll bereits im April in einer Lidl-Filiale eine Rohrbombe gezündet haben, um von dem Discounter eine Millionensumme zu erpressen. Die Hartz-IV-Empfänger wollten in ein neues Leben starten. Jetzt sitzen die beiden in Untersuchungshaft.

Ein geplatzter Traum: Um ein Haus in Spanien zu kaufen, haben eine 54-Jährige und ihr 48-jähriger Partner aus Gelsenkirchen nach Überzeugung der Polizei mindestens eine Bombe bei Lidl hochgehen lassen. Damit wollten die Hartz-IV-Empfänger die Discounterkette um mehr als eine Million Euro erpressen.

Es sollte, so zitierte ein Ermittler die Verdächtige, "der Lottogewinn" sein. Doch alles kam anders: Das mutmaßliche Gaunerpaar sitzt seit Dienstag in Untersuchungshaft , wie Staatsanwaltschaft und Polizei gestern verkündeten. Man habe zugegriffen, weil zu befürchten war, dass das Pärchen weitere Erpressungsversuche in die Wege leiten könnte. Warum man die Öffentlichkeit erst so spät informiert hat? Ermittlungstaktik, Sorge vor Nachahmern und Furcht, die Erpresser zu Schlimmerem zu provozieren. Die Vorwürfe gegen die beiden wiegen schwer: Weil bei der Explosion eine Mitarbeiterin verletzt wurde, steht auch versuchter Mord im Raum. Diese war noch glimpflich davongekommen. Aber auch bei einer Verurteilung wegen Erpressung würden lange Haftstrafen drohen. Doch das scheint den Beschuldigten nicht klar gewesen zu sein: Bei ihrer Festnahme hätten sie starke Reue gezeigt, berichtet der ermittelnde Oberstaatsanwalt. "Man hatte den Eindruck, dass ihnen erst da so richtig bewusst geworden ist, was sie da gemacht haben."

Auch wenn das Paar nicht vorbestraft ist, könnte seine kriminelle Laufbahn schon früher begonnen haben: Als am 15. April dieses Jahres in der Leergutannahmestelle in einer Lidl-Filiale in Herten ein selbstgebastelter Sprengsatz in einem Metallrohr detoniert, ahnen die Ermittler schnell, dass ihnen die Täter schon einmal entwischt sein könnten. Bereits im Oktober und Dezember 2012 waren an der Außenwand von Lidl-Filialen in Bochum und Bottrop Bomben explodiert. Damals passierte nicht viel, die Täter ließen den Drohungen aber Erpresserschreiben folgen. Ob das Paar auch dieser Fälle beschuldigt werden kann, werde noch ermittelt. Nach der Bombenzündung in diesem Frühjahr seien die beiden Beschuldigten sehr vorsichtig vorgegangen, berichten die Ermittler . Sie kauften ihre Tatmittel nicht selbst, sondern bezahlten Passanten. Mit technischem Know-how hätten sie auch ihre Spuren im Internet zu verwischen versucht. Um an die von Lidl auf ein Konto überwiesenen kleineren Summen zu gelangen, gingen sie nur mit Sonnenbrille oder einer Überziehmaske mit Plastikgesicht an den Geldautomaten.

Die Polizei konnte nach der Festnahme am Dienstag nicht nur Teile der Bombe und eine Anleitung zum Bombenbau sicherstellen, sondern auch die Maskierung der Beschuldigten und die Erpressungs-E-Mail auf einem ihrer Computer.

Mehr von Saarbrücker Zeitung