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Karneval spült Geld in leere Kassen

Karneval spült Geld in leere Kassen

Köln. Köln erwirtschaftete während der Karnevalszeit im vorigen Jahr 460 Millionen Euro - das geht aus einer aktuellen Studie der Boston Consulting Group hervor. Damit ist die Karnevalshochburg landesweiter Spitzenreiter. In der Domstadt werden mit Karneval 5000 Arbeitsplätze gesichert. Eine Million Kneipenbesucher bringen der Gastronomie in der Narrenzeit 48 Millionen Euro ein

Köln. Köln erwirtschaftete während der Karnevalszeit im vorigen Jahr 460 Millionen Euro - das geht aus einer aktuellen Studie der Boston Consulting Group hervor. Damit ist die Karnevalshochburg landesweiter Spitzenreiter. In der Domstadt werden mit Karneval 5000 Arbeitsplätze gesichert. Eine Million Kneipenbesucher bringen der Gastronomie in der Narrenzeit 48 Millionen Euro ein. 165 Millionen Euro werden der Studie zufolge für Speisen ausgegeben, und die Narren fuhren insgesamt 540 000 Mal Taxi. "Der Karneval in Köln ist unverzichtbar", sagt die Geschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Köln, Elisabeth Slapio.

Der Düsseldorfer Karneval hat in den letzten Jahren rund 240 Millionen Euro eingespielt. Daran hingen rund 3500 Arbeitsplätze, sagt der Geschäftsführer des Comitee Düsseldorf Carneval, Jürgen Rieck. In Bonn bringt der Karneval nach Angaben der dortigen IHK geschätzte 150 bis 250 Millionen Euro ein. Rund 2500 Arbeitsplätze sind daran geknüpft.

Die Identifikation mit dem Karneval ist jedoch überall anders. "Der Kölner tanzt irgendwann auf den Tischen, der Düsseldorfer setzt sich auf einen Stuhl", sagt Rieck. Ein Düsseldorfer wolle für sein Geld vor allem etwas geboten bekommen und zuschauen, statt mitzumachen. Auch Bonn hat seine eigene Feierkultur. "Der Bonner hat nicht so ein Sendungsbewusstsein wie der Kölner", sagt der Sprecher der IHK Bonn, Michael Pieck. "Der Bonner ist ein bisschen bodenständiger. Da ist weniger Schein, mehr Sein."

Wegzudenken ist der Karneval auch im Ruhrgebiet nicht. Seine Anziehungskraft zeigt sich an den Besucherzahlen beim Rosenmontagszug. Immerhin kommen 250 000 bis 350 000 Narren zu den Zügen nach Duisburg, Oberhausen oder Essen. Der Karneval boomt trotz Wirtschaftskrise. Für die Experten ist dies kein Widerspruch. "Gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise entsteht eine Art Reaktion nach dem Motto Jetzt erst recht!", sagt die Kölner IHK-Chefin Slapio. "In diesem Jahr wird nicht beim Karneval gespart", bestätigt der Bonner Kollege Pieck.

Viele der dortigen Unternehmen seien im Dienstleistungssektor tätig und von der Krise nicht so betroffen. "Der Rheinländer lässt sich das Feiern nicht vermiesen."

Der Karneval als Wirtschaftsfaktor. In den Sälen werden Geschäftskontakte gepflegt, Bankiers treffen auf den Oberbürgermeister und Unternehmer. Musterbeispiel für solche Kontaktpflege im Karneval ist Köln. An Karneval sei die Hemmschwelle geringer, um neue Kontakte zu knüpfen, sagt Slapio. Der Begriff "Klüngelei" passe hier sehr gut. "Bestimmte Themen werden noch immer am Rande des Karnevals verhandelt." Und letztlich sei eine Einladung zum Sitzungskarneval nichts anderes, als wenn "die Top zehn Kunden ins Opernhaus eingeladen werden".