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Jean Sarkozys falsche Memoiren

Jean Sarkozys falsche Memoiren

Paris. Der Sohn des französischen Präsidenten hat es nicht leicht. Erst musste sich Jean Sarkozy heftige Vorwürfe wegen des Verdachts auf Vetternwirtschaft gefallen lassen und auf den angestrebten Vorsitz einer einflussreichen staatlichen Entwicklungsbehörde verzichten. Jetzt bekommt der 23-Jährige auch noch in einem Buch, das sogar unter seinem Namen erschien, ordentlich sein Fett weg

Paris. Der Sohn des französischen Präsidenten hat es nicht leicht. Erst musste sich Jean Sarkozy heftige Vorwürfe wegen des Verdachts auf Vetternwirtschaft gefallen lassen und auf den angestrebten Vorsitz einer einflussreichen staatlichen Entwicklungsbehörde verzichten. Jetzt bekommt der 23-Jährige auch noch in einem Buch, das sogar unter seinem Namen erschien, ordentlich sein Fett weg. "Mein Leben, mein Werk, mein Motorroller" heißt die 143 Seiten dicke Satire. Das ganze Land rätselt nun, welcher Autor sich hinter dem in Ich-Form geschriebenen Buch mit dem Untertitel "Die falschen Memoiren von Prinz Jean" verbirgt. Die Idee für das Buch sei lange in ihm gereift, erzählt der falsche Jean Sarkozy darin. "Sie ist mir mit dreieinhalb Jahren gekommen, als mein Vater vom 9. bis 16. November 1989 Mauersteine klopfte", heißt es in Anspielung auf Nicolas Sarkozy. Der französische Präsident hatte auf seiner Facebook-Seite behauptet, bereits früh am 9. November nach Berlin gereist und beim Mauerfall dabei gewesen zu sein. Aber um die Memoiren veröffentlichen zu können, habe er erstmal abgewartet, bis er erwachsen war, erklärt der Erzähler dann. "Denn ich will keine falschen Verdächtigungen", sagt er und verweist damit direkt auf die Kandidatur des Jurastudenten für die einflussreiche Behörde. "Über mich ist eine Menge Unsinn gesagt und geschrieben worden", heißt es weiter. "Nun, ich habe mir diesen Unsinn angehört, habe ihn gelesen, ich habe ihn mit großer Aufmerksamkeit, mit großem Respekt gesehen. Ich respektiere die Menschen, die Unsinn über mich verbreiten, zutiefst." Aber eigentlich wolle er doch nur an seinen Taten gemessen werden, beispielsweise, wenn er Flugblätter verteile - und nicht an dem, was auf den Flugblättern stehe. Beobachter hatten sich gefragt, ob der Präsidentensohn gegen das Erscheinen des Buches vorgehen würde. Doch offenbar will er vermeiden, noch mehr Werbung dafür zu machen. Zudem hält ihn die für diesen Monat erwartete Geburt seines ersten Kindes in Atem. Der Nachwuchspolitiker hatte 2008 Jessica Sebaoun geheiratet, eine Erbin der Elektronikkaufhauskette Darty. Vor seinem Einstieg in die Politik hatte er mit einem Prozess monatelang für Schlagzeilen gesorgt. Ein Autofahrer hatte ihn beschuldigt, seinen BMW mit einem Motorroller beschädigt und Fahrerflucht begangen zu haben.