Jahrhundertprozess gegen O. J. Simpson endete vor 25 Jahren mit Freispruch

Ex-Footballstar : Als die Jagd auf O. J. Simpson live im TV lief

Das US-Sportidol wurde vor 25 Jahren auf spektakuläre Art und Weise wegen eines Doppelmordes verhaftet – und später freigesprochen.

Die Bilder der spektakulären Verfolgungsjagd am 17. Juni 1994 Jahren gingen um die Welt. Der US-Footballstar O. J. Simpson auf dem Rücksitz, zeitweise hält er sich eine Pistole an die Schläfe. Sein Freund und Sportkollege Al Cowlings sitzt am Steuer des weißen Ford Bronco. Hubschrauber und Polizeiautos folgen Simpson auf der Autobahn in Los Angeles. Rund 95 Millionen Menschen erleben das Drama live am Bildschirm mit. Die Jagd endet vor Simpsons Villa, wo sich der damals 46-Jährige ergibt.

An dem Tag sollte sich Simpson wegen eines Haftbefehls den Behörden stellen. Fünf Tage zuvor waren dessen Ex-Frau Nicole Brown Simpson und ihr Bekannter Ron Goldman umgebracht worden.

Der weiße Bronco ist heute ein Ausstellungsstück im „Alcatraz East Crime Museum“ im US-Bundesstaat Tennessee. In dem Kriminalmuseum steht am 25. Jahrestag des Falls aber nicht Simpson im Rampenlicht. Die Sonderausstellung „Passion for Life: Nicole Brown Simpson“ erinnert an das Opfer, das nur 35 Jahre alt wurde. „Sie war eine wunderbare Mutter, ein ganz normaler Mensch“, erzählt Tanya Brown (49) über ihre Schwester.

Schwerpunkt der Ausstellung sind Fotos und Aufzeichnungen, die betroffen machen. „Nicole führte Buch über die vielen Vorfälle häuslicher Gewalt, sie hatte Fotos von ihren blauen Flecken und Verletzungen aufgehoben“, erzählt Ausstellungsleiterin Rachael Penman. „Auch wenn manche nicht glauben wollen, dass er der Mörder war, so gibt es keinen Zweifel daran, dass er häusliche Gewalt verübte“, sagt Tanya Brown. „Ich höre noch die Angst in der Stimme meiner Schwester in ihrem Polizei-Notruf, als sie sagte, dass er sie heftig verprügeln würde.“ Die Aufzeichnung des Anrufs wurde in dem Prozess gegen Simpson im Gericht abgespielt.

In der Nacht des 12. Juni 1994 hatte ein Spaziergänger die mit vielen Messerstichen getöteten Opfer in Blutlachen vor Nicoles Haus in Brent­wood in Los Angeles entdeckt. Die gemeinsamen Kinder des damals bereits geschiedenen Paares, Justin und Sydney, schliefen ahnungslos im Haus. Der Verdacht fiel schnell auf den Ex-Mann.

„Auch wir verfolgten die völlig surreale Bronco-Fahrt auf dem Bildschirm mit. Ich saß bei meiner Mutter am Bett, mein Vater hatte O. J. am Telefon und redete auf ihn ein, sich nicht umzubringen, schließlich habe er noch zwei Kinder“, erinnert sich Tanya Brown.

„O. J. hat sie umgebracht, da gibt es für uns und für viele Amerikaner überhaupt keinen Zweifel dran“, sagt Brown. Doch Nicoles Ex-Ehemann beteuerte immer seine Unschuld, auch in dem acht Monate langen Gerichtsdrama, das als Jahrhundertprozess in die US-Justizgeschichte einging. Das Strafverfahren endete mit einer Überraschung. Die Geschworenen sprachen ihn frei. Die juristische Fachwelt war schockiert, galten die Beweise gegen Simpson in dem Indizienprozess doch als überaus erdrückend.

Für die Hinterbliebenen der Opfer war es nur eine kleine Genugtuung, als Simpson 1997 in einem Zivilprozess schuldig gesprochen und zur Zahlung einer Millionenstrafe verurteilt wurde.

O.J. Simpson spielte von 1969 bis 1979 American Football in der NFL. Foto: Jacobson/dpa. Foto: dpa/Julie Jacobson

Dass Simpson dann doch noch Jahre im Gefängnis verbrachte, hing nicht mit dem Mordfall zusammen. Wegen bewaffneten Raubs und Körperverletzung war der Ex-Footballer 2008 im US-Staat Nevada zu einer langen Haft verurteilt worden. Mit Komplizen hatte er in einem Hotelzimmer in Las Vegas zwei Sammler von Fan-Artikeln bedrängt, persönliche Erinnerungsstücke herauszugeben. Seit Herbst 2017 ist er wieder auf freiem Fuß.