Israel umwirbt Homosexuelle

Israel umwirbt Homosexuelle

Tel Aviv. Die Sonne scheint, der Himmel ist wolkenlos und das Meer strahlend blau. Am Strand stehen vier knackige Jungs, die sich in den Armen liegen. Sie sind nach Tel Aviv gekommen, um Spaß zu haben und zu flirten. Doch Bikini-Schönheiten sind für sie keine Objekte der Begierde. Ihre Blicke bleiben eher an durchtrainierten Sixpacks hängen

Tel Aviv. Die Sonne scheint, der Himmel ist wolkenlos und das Meer strahlend blau. Am Strand stehen vier knackige Jungs, die sich in den Armen liegen. Sie sind nach Tel Aviv gekommen, um Spaß zu haben und zu flirten. Doch Bikini-Schönheiten sind für sie keine Objekte der Begierde. Ihre Blicke bleiben eher an durchtrainierten Sixpacks hängen. Das ist eines der Bilder der Werbekampagne "Gay Vibe", mit der Tel Aviv gemeinsam mit der Schwulen-Initiative "The Aguda" Weltenbummler nach Israel locken will. Denn Homosexualität ist hier schon lange kein Tabu mehr. Das Heilige Land ist vielen europäischen Ländern einen Schritt voraus, was die Rechte von Homosexuellen angeht - den Protesten von Ultra-Religiösen zum Trotz. "Schmusende Männer und Händchen haltende Frauen sind hier keine Besonderheit", sagt Adir Steiner, Koordinator der Homosexuellen-Events in Tel Aviv. Selbstverständlich sollten Schwule und Lesben nicht im jüdisch-orthodoxen Viertel in Jerusalem Zärtlichkeiten austauschen - aber das gelte auch für Heterosexuelle.

68 000 Euro für Werbung

Vielen Menschen sei gar nicht bewusst, dass gleichgeschlechtliche Liebe in Israel kaum die Gemüter erhitze. Deshalb kämen sie gar nicht erst auf den Gedanken, dort Urlaub zu machen. Genau das soll die "Gay Vibe"-Kampagne ändern, die die Stadt und das Tourismusministerium mit umgerechnet etwa 68 000 Euro unterstützen. "Wir werden den Etat wahrscheinlich noch weiter aufstocken, denn der Schwulen-Tourismus ist ein vielversprechender Markt", sagt Pini Shani vom Tourismusministerium. Israel sei ein Reiseziel, das viel zu bieten habe. Hier müsse niemand seine sexuelle Neigung verstecken.

Für Shai Doitch von der Schwulen-Initiative "The Aguda" ist die rosige Zukunft von Tel Aviv als Homo-Metropole besiegelt. Bestes Beispiel ist für ihn die seit 1998 stattfindende "Gay Pride Parade", an der immer mehr Homosexuelle, aber auch Heterosexuelle teilnehmen. Dieses Jahr waren es rund 120 000 Menschen. Bei einer speziellen Stadtführung können homosexuelle Touristen Wissenswertes über Tel Aviv und die Geschichte der Schwulen-Szene erfahren. Ein spezieller Reiseführer listet homofreundliche Hotels und angesagte Clubs auf. "Wenn man einen Stein von einem Hochhaus werfen würde, trifft man entweder einen Schauspieler, eine Katze oder eben einen Schwulen", sagt Doitch.

Sexy und vor allem aufregend: Mit diesen Attributen beschreibt Steiner seine Stadt. "Die Menschen sehen in den Nachrichten oft nur israelische Soldaten, die Palästinenser töten. Warum sollten sie also nett zu Schwulen sein?", sagt der Mann, der sich seit Jahren für die Rechte von Homosexuellen einsetzt. Die Kampagne zeige eine komplett andere Welt.

Im nächsten Jahr wird die Werbekampagne auf Spanien, die USA und Südamerika ausgeweitet. Denn Steiner ist sich sicher: "Die Gays machen ein Urlaubsziel trendy. Und wenn es erstmal trendy ist, kommen auch alle anderen."

Teilnehmer der Gay Pride Parade in Tel Aviv. Foto: dpa.