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Immer mehr Operationen wegen Übergewichts

Immer mehr Operationen wegen Übergewichts

Immer mehr Menschen in Deutschland müssen sich wegen Fettleibigkeit ärztlich behandeln lassen. Dabei ist auch die Zahl der Operationen deutlich gestiegen. Das geht aus dem neuen Krankenhausreport der Krankenkasse Barmer GEK hervor. SZ-Korrespondent Stefan Vetter hat die wichtigsten Hintergründe zusammengestellt.

Wie akut ist das Problem?

Immerhin gut sieben Millionen Bundesbürger wurden 2014 aufgrund ihrer krankhaften Fettsucht (Adipositas) medizinisch behandelt - rund 14 Prozent mehr als im Jahr 2006. Die Zahl der klinischen Fälle hat sich im selben Zeitraum auf 9225 Eingriffe mehr als verfünffacht. "Das sind derzeit noch geringe Fallzahlen", räumte Barmer-GEK-Chef Christoph Straub ein. Der Trend sei jedoch "bedenklich". Von krankhafter Adipositas spricht man dann, wenn der international anerkannte Body-Maß-Index, also das Gewicht einer Person geteilt durch ihre Körpergroße zum Quadrat, die Maßzahl von 40 übersteigt.

Warum gibt es mehr "Dicke"?

Grundsätzlich gilt: Viele Menschen ernähren sich sehr energiereich, also etwa über Fast Food, Fertiggerichte und zuckerhaltige Softdrinks, derweil sich ihr Kalorienverbrauch durch Bewegungsmangel immer stärker reduziert. Barmer-GEK-Chef Straub verglich diese Entwicklung mit einem immer kleineren Motor, der das viele Benzin immer schlechter verbrennen könne. Nach vielen gescheiterten Abnehmversuchen entschieden sich immer mehr Betroffene dann zu einer Operation, so Straub.

Wo leben die meisten Übergewichtigen?

In Mecklenburg-Vorpommern. Mehr als jeder fünfte Einwohner (20,6 Prozent) leidet dort an krankhafter Fettleibigkeit . Auf den weiteren Plätzen folgen mit Sachsen-Anhalt (20,2 Prozent), Thüringen (18,1) und Brandenburg (17,9) ebenfalls nur Ost-Länder. Erst auf Rang Fünf kommt mit Rheinland-Pfalz (17,0) ein westdeutsches Flächenland. Das Saarland liegt auf Rang acht mit 16 Prozent. Am Ende der Skala rangiert Hamburg (11,1 Prozent). Die Kassen-Experten erklären sich das Ost-West-Gefälle so: In den neuen Ländern sind die Menschen im Schnitt älter, und mit dem Alter steigt nachweislich auch die Quote der Übergewichtigen.

Wie hoch sind die Kosten?

Würden bundesweit alle Übergewichtigen mit einem Body-Mass-Index von mindestens 40 operiert, kämen auf die gesetzlichen Kassen Mehrausgaben von rund 14,4 Milliarden Euro zu. Laut Krankenhausreport verursachen fettleibige Menschen etwa 150 Prozent höhere Gesundheitsausgaben als Normalgewichtige.

Was wird den Betroffenen empfohlen?

Erst wenn alle konservativen Methoden ausgeschöpft seien, sollte ein operativer Eingriff am Magen-Darm-Trakt in Betracht kommen, mahnte Straub. Denn diese Behandlung sei mit Risiken verbunden. So erhöhe sich kurzfristig die Sterbewahrscheinlichkeit. Außerdem komme es häufig zu Folgekomplikationen wie etwa Gallensteinen. Grundsätzlich gelte einfach: "Man kann auf dem Sofa nicht abnehmen." Und: "Nur Bewegung verbrennt."