Hochwasserwelle rollt nach Norden

Dresden/Bad Muskau. Flutopfer schaufeln Schlamm aus Häusern, Politiker beraten über Hilfen und Wetterexperten sehen neuen Regen kommen: Während das verheerende Hochwasser am Montag im Dreiländereck von Deutschland, Polen und Tschechien langsam zurückging, rollt die Hochwasserwelle nach Norden. Gestern passierte der Scheitel der Neiße das sächsische Bad Muskau

Dresden/Bad Muskau. Flutopfer schaufeln Schlamm aus Häusern, Politiker beraten über Hilfen und Wetterexperten sehen neuen Regen kommen: Während das verheerende Hochwasser am Montag im Dreiländereck von Deutschland, Polen und Tschechien langsam zurückging, rollt die Hochwasserwelle nach Norden. Gestern passierte der Scheitel der Neiße das sächsische Bad Muskau. Ein Teil des dortigen Fürst-Pückler-Parks stand unter Wasser. In Brandenburg rüsteten sich die Behörden für das Schlimmste. Allerdings hofften die Experten, dass die Fluten in Spree und Neiße nicht so dramatisch steigen wie in Sachsen.

Dort begannen manche Flut-Geschädigte gestern schon mit den Aufräumarbeiten: Die Menschen holten eimerweise Schlamm aus den Häusern. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) stellte den Opfern Hilfe in Aussicht. Zunächst müsse man aber klären, wer versichert sei und wer nicht, sagte er.

Zugleich äußerte de Maizière Kritik an den polnischen Behörden. "Meine sächsischen Kollegen haben berichtet, dass die Vorhersagen verbesserungsfähig sind", sagte der Minister. Die deutsche Seite werde sicher Gelegenheit haben, "das mit den Polen für das nächste Mal so zu besprechen, dass die Zusammenarbeit da noch reibungsloser wird."

In Brandenburg drohte gestern Abend wegen des Hochwassers an Neiße und Spree Katastrophenalarm. Das sagte Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD). Es sei aber nicht mit größeren Schäden und Evakuierungen zu rechnen. "Wir halten die Situation für angespannt, aber beherrschbar", sagte Platzeck. Es sei ein "Glücksfall", dass das Hochwasser bis zu zweieinhalb Tage lang in der Talsperre Spremberg zurückgehalten werden könne. Die Lage an der Elbe sei entspannt, und auch an der Oder herrschten günstige Bedingungen.

An der Lausitzer Neiße in Brandenburg wurde gestern die höchste Alarmstufe 4 ausgerufen. Dort stieg das Wasser schneller als gedacht. In Cottbus an der Spree tagte ein Krisenstab. Insgesamt 400 000 Sandsäcke wurden angefordert. "Hier kommt eine Naturgewalt auf uns zu, deren Auswirkungen man nicht abschätzen kann", sagte ein Sprecher. Am Freitag ist neuer Dauerregen in Sicht. "Und es sieht so aus, als würde es wieder den Süden und Südosten treffen", sagte Meteorologe Robert Scholz vom Deutschen Wetterdienst.

Nach Ansicht von Klimaforschern kann das verheerende Hochwasser bereits eine Folge des Klimawandels sein. Seit Jahrzehnten ziehen immer mehr Tiefdruckgebiete aus dem Mittelmeerraum in Richtung Norden. "Sie führen bei uns zu Starkregen, der innerhalb kürzester Zeit die Pegelstände ansteigen lässt", sagte Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. dpa