Harrods hat die Hamster satt

Harrods hat die Hamster satt

Das war es dann: Das Nobelkaufhaus Harrods schließt in zwei Tagen seine legendäre Zoohandlung. Dort, wo einst exotische Tiere verkauft wurden, soll künftig Mode aus aller Welt über die Ladentheke gehen.

Das Königreich befindet sich im vierten Stock, ganz hinten in der Ecke. Schilder leiten die Kunden durch das Luxuskaufhaus Harrods im schicken Londoner Stadtteil Knightsbridge. Die Babygeschenke-Abteilung muss links liegen gelassen werden, dann geht's durch die hochpreisige Damenbekleidung. Endlich eröffnet sich das "Königreich der Haustiere", wie jene legendäre Zoofachhandlung heißt. Doch so richtig königlich sieht es hier nicht aus. Nicht mehr.

Auf den Tischen liegen Hundekleidchen aus Kaschmirwolle und Ballettröcke für die Vierbeiner für besondere Anlässe. An den Wänden hängen Plüschknochen, glitzernde Halsbänder und elegante Hundeleinen. Blau, grün, auberginefarben, zitronengelb - je nachdem wie es zur Garderobe von Frauchen oder Herrchen passt. Im Angebot sind zurzeit Hundewindeln, eine Packung kostet etwa sechs Euro. Auch kulinarisch gilt: Nichts kann gut genug für den besten Freund des Menschen sein. Luxuriöse Speisen wie Roast Beef bereitet etwa die "Canine Cookie Company" zu.

Etwas weiter erhalten im "Pet Spa" die geliebten Haustiere eine Sonderbehandlung, während die Besitzer auf Shoppingtour gehen. Hinter Glasscheiben, die an Schaufenster erinnern, werden auf Frisiertischen gerade zwei Welpen geschoren und hübsch gemacht. Sie sind an eine Vorrichtung angeleint. Während die beiden Friseurinnen mit einer elektrischen Hundeschere das weiße Fell kürzen, fläzen in der Ecke weitere Vierbeiner und warten geduldig auf ihren Termin. Dass sie wie in einem Zoo von vorbeigehenden Besuchern beobachtet werden, scheint sie kaum zu kümmern. Ein kleiner Junge drückt sich seine Nase platt, zwei ältere Damen sind ganz verzückt: "Ach wie süß", rufen die französischen Touristinnen. Sie wollten während ihrer London-Reise unbedingt noch einmal in die berühmte Zooabteilung des Harrods kommen.

Denn Ende Januar ist Schluss mit Wellnessbehandlungen und Luxusgütern für Hund und Hamster. "Das Königreich der Tiere wird geschlossen, um aufregenden Entwicklungen im Damenbekleidungsbereich Platz zu machen", sagte eine Sprecherin des Kaufhauses. Die Entscheidung haben die neuen Eigentümer, die Qatar Holding, aus dem Emirat am Persischen Golf getroffen. Die Schließung ist Teil einer Generalüberholung des Luxustempels. Fast 250 Millionen Euro haben die Kataris bereits investiert, eine Zooabteilung passt da nicht ins Konzept.

Zumal die legendären Zeiten vorbei sind. Bis im Jahr 1976 das Artenschutzabkommen, der "Endangered Species Act", verabschiedet wurde, war das Harrods bei Liebhabern exotischer Tiere beliebt. Hier konnten sie seit 1917 auch seltene Arten kaufen. Es heißt, die kanadische Schauspielerin Beatrice Lillie erstand einst einen Alligator für ihren Freund, den Schriftsteller Noël Coward. Während heute nur noch plüschige Raubtiere kleine Kinder anlocken, konnten damals echte Löwenbabies, Kamele und Panther geordert werden. Sogar der frühere US-Präsident Ronald Reagan bestellte im Harrods einmal einen Babyelefanten. Er hieß Gertie.