Großer Schlag gegen Dopingszene

Berlin/Köln. Dem deutschen Zoll ist der bislang größte Schlag gegen die Doping- und Arzneimittelkriminalität gelungen

Berlin/Köln. Dem deutschen Zoll ist der bislang größte Schlag gegen die Doping- und Arzneimittelkriminalität gelungen. Zollfahnder hoben bei einer groß angelegten Aktion im vergangenen Jahr unter anderem ein illegales Lager in einer ländlichen Gegend in Mittelhessen aus, in dem sich rund fünf Millionen Ampullen und Tabletten mit Anabolika, Hormonpräparaten, Aufputsch- und Potenzmitteln befanden. Die Polizei bestätigte einen entsprechenden Bericht des Nachrichtenmagazins "Spiegel" vom Samstag. Die beschlagnahmten Substanzen haben einen Schwarzmarktwert von rund zehn Millionen Euro. Sie wurden in Untergrundlaboren in Europa, Indien, China und Pakistan produziert.Der deutsche Zoll zerschlug gemeinsam mit österreichischen Ermittlern ein seit Jahren agierendes Doping-Netzwerk, das die Substanzen über mehrere Internet-Plattformen vertrieb. In Österreich wurden drei Lagerstätten durchsucht. Insgesamt nahmen die Fahnder bei den grenzüberschreitenden Razzien mehrere Dutzend Personen fest.

Viele Hobbysportler dopen

Die Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses, Dagmar Freitag, warnte angesichts des aktuellen Falles vor der zunehmenden Ausbreitung des Dopings im Breitensport. "Die Dimension dieses Problems wird in der Öffentlichkeit nach wie vor unterschätzt", sagte die SPD-Politikerin. Experten gingen davon aus, dass inzwischen weit über eine Million Hobbysportler in Deutschland gelegentlich oder regelmäßig Dopingsubstanzen oder Medikamente einnähmen, um ihre Leistungsfähigkeit zu steigern. "Wir haben es hier mit einem Flächenbrand in der Gesellschaft zu tun", sagte Freitag.

In Deutschland werden nach Expertenschätzungen im Bereich Doping- und Arzneimittelkriminalität mehrere 100 Millionen Euro jährlich umgesetzt. Der Dopinghandel ist nach Angaben der Zollfahndung mittlerweile für manche Kriminelle attraktiver als der Drogenhandel. Er verspreche eine extreme Gewinnspanne, es würden weder Zwischenlager noch Kuriere benötigt, und die Präparate seien ohne großen Aufwand in Kellerlaboren in Tabletten- oder Ampullenform zu pressen. dapd