Großbritannien fährt ohne Gott

Großbritannien fährt ohne Gott

London/Madrid. Den Glauben an Gott hat so manch einer, der an einer zugigen Haltestelle auf einen Bus wartete, sowieso verloren. Die Botschaft, dass der Allmächtige wahrscheinlich nicht existiert, kommt jenen fluchend Wartenden wohl überflüssig vor. Doch nun werden ihre Zweifel bestätigt: In ganz Großbritannien rollen seit dieser Woche Busse mit atheistischer Botschaft

London/Madrid. Den Glauben an Gott hat so manch einer, der an einer zugigen Haltestelle auf einen Bus wartete, sowieso verloren. Die Botschaft, dass der Allmächtige wahrscheinlich nicht existiert, kommt jenen fluchend Wartenden wohl überflüssig vor. Doch nun werden ihre Zweifel bestätigt: In ganz Großbritannien rollen seit dieser Woche Busse mit atheistischer Botschaft. "Es gibt wahrscheinlich keinen Gott. Jetzt mache Dir keine Sorgen und genieße Dein Leben", heißt es in großen Lettern. Die Kampagne scheint nun fast schon so etwas wie ein Exportschlager zu werden. Doch in Spanien regt sich Unmut: Christen und Atheisten diskutieren dort darüber, ob es einen Gott gibt oder nicht.

In Großbritannien hat die Kampagne überraschend viele Unterstützer gefunden. Die Organisatoren hatten lediglich Spendengelder in Höhe von 5500 Pfund (etwa 6150 Euro) angepeilt, um 30 Busse in London auszustatten. Doch insgesamt kamen über die Wochen 140 000 Pfund zusammen. Nun fahren im ganzen Königreich insgesamt 800 der Busse, 200 davon in London.

Der Prominenteste unter den Bus-Atheisten ist der britische Biologe und weltweit bekannte Religionskritiker Richard Dawkins, der schon mit seinem Buch "Der Gotteswahn" die Menschen von der Abwesenheit Gottes überzeugen wollte. "Es ist nur ein Denkanstoß - die Leute werden im Pub darüber reden, wenn sie die Busse sehen", sagte er.

Die Mutter der Kampagne, die Journalistin Ariane Sherine, erklärte, sie wollte einen Gegenpol zu christlichen Sprüchen geben, die Nicht-Gläubigen mit ewiger Verdammung und der Hölle drohten. "Ich bin froh, dass wir in einem Land leben, in dem die Menschen Glaubensfreiheit haben", sagte sie. Nach Angaben des Atheisten-Verbandes British Humanist Association sind immerhin bis zu 40 Prozent der Briten nicht gläubig, unter den jungen Menschen sind es demnach bis zu 65 Prozent. Wie Sherine betonte, erwägt neben Spanien auch Italien eine ähnliche Kampagne. Auch in den USA gebe es schon Atheisten-Busse.

In Spanien melden sich nun kritische Stimmen. Dort sollen die Busse in Madrid, Barcelona, Valencia und Bilbao rollen. Die Debatte entbrannte jedoch schon, bevor die Busse im großen Stil mit den Sprüchen beschriftet werden konnten. "Der Glaube ist weder ein Grund zur Sorge noch ein Hindernis, aufrichtig das Leben zu genießen", erklärte das Erzbistum von Barcelona. Ein Priester einer protestantischen Kirche in der Madrider Vorstadt Fuenlabrada versah schon einen Linienbus mit der Schrift: "Gott existiert doch. Genieße das Leben mit Christus."

In Madrid prüfte umgehend das PR-Unternehmen, das die Reklame auf den Bussen betreibt, ob die religiösen und atheistischen Sprüche zulässig sind - mit dem Ergebnis: "Die Idee eines Gottes lässt sich verkaufen und das Gegenteil ebenfalls. Wir können die Slogans daher akzeptieren." "Die Leute werden im Pub darüber reden, wenn sie die Busse sehen."

Richard Dawkins,

Religionskritiker

Ein Radfahrer passiert in London einen Bus, an dem die Werbung prangt: "Es gibt wahrscheinlich keinen Gott. Jetzt mache Dir keine Sorgen und genieße Dein Leben." Foto: dpa.