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Gottschalk auf der Flucht nach vorn

Gottschalk auf der Flucht nach vorn

Viele Stars tauchen angesichts ihrer Geburtstage ab. Nicht so Thomas Gottschalk. Er ist wieder dauerpräsent, hat ein Buch geschrieben und moderiert sogar an seinem Geburtstag seine eigene RTL-Show.

65 Jahre und die Stunde null: Wenn andere Menschen beginnen, in privater Umgebung ihre Rente zu genießen, steht Profi-Entertainer Thomas Gottschalk an der Schwelle eines neuen, beruflichen Lebensabschnitts. Der langjährige "Wetten, dass..?"-Moderator, schmiedet Zukunftspläne, auch wenn noch nicht so ganz klar ist, in welche Richtung der Zug abfähr t.

Fest steht aber: Gottschalk füllt die große Bühne aus, er ist vermutlich der einzige Showmaster in Deutschland, der den galanten Grandseigneur geben kann, mit Stil, mit Witz, mit Charme. Nicht klar ist: Wird er für so einen Job noch gebraucht, will der Deutsche noch eine Show sehen, in der ein Strahlemann mit schriller Abendrobe die Showtreppe hinabschreitet? Gottschalk selber, der heute 65 Jahre alt wird, ist sich da auch nicht so sicher. Seine einstige Visitenkarte, "Wetten, dass..?", ist abgeschafft, das ZDF hat die Show eingestellt. Gottschalk meint, in Serienform sei das Format am Ende. "Als Event einmal im Jahr könnte es aber funktionieren", sagte er und öffnet sich damit ein Hintertürchen.

So glanzvoll seine "Wetten, dass..?"-Vergangenheit auch ist, mit Alternativen auf dem Bildschirm hat der Entertainer nicht immer ein glückliches Händchen gehabt. Der größte Dämpfer erwischte ihn aber 2012, als er nach seinem zweiten Abtritt von der "Wetten, dass..?"-Bühne bei der ARD Fuß fassen wollte und mit der Vorabendshow nach einem furiosen Einstieg mit mehr als vier Millionen Zuschauern im Quoten-Nirwana unter einer Million landete. Nach rund vier Monaten wurde das Projekt beendet. Sein Versuch, an Dieter Bohlens Seite bei RTL "Das Supertalent" aufzuwerten, honorierte das Publikum nicht. Doch diese Schatten können nicht darüber wegtäuschen, dass Gottschalk Deutschlands Mattscheiben-Grandseigneur Nummer eins ist .

Im fr änkischen Kulmbach als ältestes Kind schlesischer Auswanderer geboren, steht er als typischer Fall einer deutschen Nachkriegsgeneration, die komplett in Friedenszeiten aufwuchs. Er brach zum Germanistik-Studium in München auf, tummelte sich auf Partys, liebte die Badeseen und fuhr ein Cabriolet. Er trat einfach vors Mikrofon, gewann mit seinem Naturtalent zum Reden auf Anhieb Fans. Gottschalk lernte die richtigen Leute kennen, unter anderem seinen langjährigen Förderer und späteren MDR-Intendanten Udo Reiter . Nicht so ohne weiteres selbstverständlich für die Generation Gottschalk ist, dass er seit 1976 mit seiner Frau Thea verheiratet is t.

Ob er es noch einmal packt, die Masse Mensch vor die Fernseher zu bewegen, bleibt offen. Vor seinem Geburtstag geht er jedenfalls nicht auf Tauchstation wie andere Prominente, er nutzt ihn kommerziell mit Glanz und Gloria: Heute steht er im Berliner Admiralspalast auf der Bühne und moderiert für RTL seine eigene Personalityshow. Klappern gehört zum Handwerk, der Marktwert muss bleiben, das weiß das alte Zirkuspferd. Und mit der Geburtstagsgala guckt er auch nach vorne: "Wenn diese Programmfarbe dem Sender ein Publikum bringt, mit dem er etwas anfangen kann, beschaffe ich ihm das auch gerne weiterhin. Wir wollen Ende Mai darüber nachdenken, wie eine gemeinsame Zukunft aussehen kann." Denn solange er sein "eigenes Verfallsdatum nicht überschritten" habe, will er weiter im Fernsehen bleiben. Wenn nicht, wäre wohl das Nächste, was man von ihm hören dürfte, der Nachruf, befürchtet er. Somit ist klar wie schon zu besten "Wetten, dass..?"-Zeiten: Gottschalk überzieht.