Gold-Klo „America“ gestohlen - an Churchills Geburtsort

Diebstahl in England : Wo ist das millionenschwere Gold-Klo?

Die wohl wertvollste Toilette der Welt ist weg. Diebe klauten das güldene Kunstwerk aus dem altehrwürdigen Blenheim-Palast bei Oxford.

Als hätten die Briten mit dem Brexit nicht schon genug Probleme, jetzt auch noch das: Eine Bande hat im Blenheim-Palast ein mehr als fünf Millionen Euro teures Klosett aus Gold gestohlen. Das prächtige Schloss bei Oxford ist der Geburtsort des früheren Premierministers Winston Churchill – ein ehrwürdiger Ort. Ein 66-Jähriger sei nach dem Diebstahl festgenommen worden, teilte die Polizei am Samstag mit. „Wir glauben, dass eine Gruppe von Tätern mindestens zwei Fahrzeuge benutzt hat“, sagte Kriminalinspektor Jess Milne.

Am Tatort in dem mehr als 300 Jahre alten Schloss entstanden „erheblicher Schaden und eine Überschwemmung“, hieß es. Der Blenheim-Palast in der Grafschaft Oxfordshire zählt zu den berühmtesten Schlössern Englands und zum Unesco-Welterbe. Eine Dauerausstellung ist Churchill gewidmet.

Der Diebstahl geschah am frühen Samstag – nur zwei Tage, nachdem im Schloss eine Ausstellung über den italienischen Künstler Maurizio Cattelan eröffnet wurde. Dieser hatte auch das wertvolle Klo namens „America“ erschaffen. Seine güldene Installation war voll funktionstüchtig und durfte sogar von den Besuchern benutzt werden – allerdings nur für maximal drei Minuten pro Person, um Warteschlangen zu vermeiden.

Den Besitzern des Palastes dürfte der Diebstahl peinlich sein. Denn im vergangenen Monat hatte ein Familienmitglied just vor der Installation der kostbaren Toilette in dem Schloss gewitzelt, dass das Klo wohl kaum zu stehlen sei: „Erstens ist es fest angeschlossen. Und zweitens würde ein potenzieller Dieb keine Ahnung haben, wer es zuletzt benutzt und was der Betreffende gegessen hat“, hatte Edward Spencer-Churchill der Zeitung The Times gesagt. Er plane daher nicht, die Installation bewachen zu lassen. Und jetzt ist sie weg.

Nach Angaben des Blenheim-Palasts ist das Kunstwerk rund sechs Millionen US-Dollar wert (etwa 5,4 Millionen Euro). Zunächst hatten britische Medien von rund einer Million Euro geschrieben. Das Klosett war im September 2016 schon im Guggenheim Museum in New York zu sehen. Dort war es in einen Toilettenraum eingebaut worden und durfte über viele Monate von den Besuchern benutzt werden. Vor dem stillen Gold-Örtchen bildeten sich stets lange Warteschlangen. Die Installation „America“ biete eine „Erfahrung von nie dagewesener Intimität mit einem Kunstwerk“, erklärte das Museum. „Cattelans Toilette verweist auf die Exzesse des Kunst-Markts, aber lässt auch an den amerikanischen Traum von unbegrenzten Möglichkeiten für alle denken.“ Der Künstler selbst sprach in der New York Times anlässlich der Ausstellung in den USA von ernstzunehmender Kunst. „Es ist nicht meine Aufgabe, den Menschen zu sagen, was ein Werk bedeutet. Aber ich glaube, dass die Menschen eine Bedeutung in diesem Werk sehen werden.“

Der Ort des Diebstahls: Der Blenheim-Palast in der Grafschaft Oxfordshire, Geburtsort des früheren Premierministers Winston Churchill. Foto: dpa/Steve Parsons

Das 18-Karat-Gold-Klo hatte darüber hinaus auch im vergangenen Jahr Berühmtheit erlangt, als es US-Präsident Donald Trump und dem Weißen Haus als Leihgabe angeboten wurde. Die für Gestaltung im Weißen Haus zuständige Kuratorin hatte nach Berichten der Washington Post beim Guggenheim angefragt, ob das Gemälde „Landschaft im Schnee“ von Van Gogh als Leihgabe verfügbar sei. Das Museum lehnte ab und bot stattdessen in Absprache mit dem Künstler die Toilette an. Doch es kam nicht dazu, „America“ kam nicht zu Trump.