Gequält und misshandelt

Zwei Jahre lang wurden eine geistig behinderte Amerikanerin und ihr Kind in einem Keller gefangengehalten – mit Kampfhunden und Schlangen. Aufgeflogen ist der schreckliche Fall durch einen Zufall.

Wieder herrscht Erschütterung in den USA, wieder waren Nachbarn anscheinend ahnungslos. Eine geistig behinderte Mutter und ihr Kind sind etwa zwei Jahre lang in einem Wohnhaus in Ashland (Ohio) praktisch wie Sklaven gehalten worden. Sie wurden gequält, misshandelt, mit Waffen bedroht und mussten Hundefutter essen.

Befreit wurden sie nur zufällig, wie US-Medien unter Berufung auf Behördenvertreter berichteten. Die zuständige Staatsanwaltschaft gab am Dienstag Anklagen gegen drei der mutmaßlichen Peiniger, Jordie Callahan, Daniel Brown und Jessica Hunt bekannt.

Das Verbrechen weckt böse Erinnerungen: Erst im Mai wurden in Cleveland, ebenfalls Ohio, drei Frauen gerettet, die vor rund zehn Jahren entführt und seitdem gefangen gehalten worden waren. Während in diesem Fall einem 52-jährigen als Einzeltäter der Prozess gemacht werden soll, wurden in Ashland eine Frau und zwei Männer angeklagt. US-Medien berichteten außerdem unter Berufung auf Gerichtspapiere von einem vierten Angeklagten. Die Behörden schwiegen sich aber zunächst darüber aus, ohne Gründe dafür zu nennen.

Die Öffentlichkeit erfuhr aber Einzelheiten über die grausame Behandlung, denen die Frau und ihre heute fünf oder sechs Jahre alte Tochter ausgesetzt waren. Befreit wurden sie bereits im vergangenen Oktober, nachdem die Frau in einem Laden beim Diebstahl eines Schokoriegels erwischt worden war. Sie habe darum gebeten, ins Gefängnis zu kommen, weil sie bei Menschen lebe, die gemein zu ihr seien, berichtet der Nachrichtensender CNN. Dies habe die Behörden stutzig gemacht.

Wie Staatsanwalt Steven Dettelbach schildert, waren die Frau und ihr Kind im Keller eines heruntergekommenen Hauses untergebracht - zusammen mit Pitbulls, Pythons und einer Giftschlange. Die Frau sei geschlagen und zur Arbeit im Haus und im Garten gezwungen worden.

Mutter und Kind hätten auf Zementboden schlafen müssen, wiederholt sei ihnen Essen verweigert worden, und manchmal hätten sie nicht zur Toilette gehen dürfen. Die Frau wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft auch absichtlich verletzt und dann mindestens dreimal in die Notaufnahme von Krankenhäusern geschickt.

Ihre Peiniger wollten sich demnach dadurch Drogen beschaffen: Die Schmerzmittel, die das Opfer erhielt, hätten sie für sich selbst verwendet. Medienberichten zufolge kassierte einer der Verdächtigen die Sozialhilfe der geistig behinderten Frau. Sie habe im Alter von 15 Jahren eine Hirnverletzung erlitten und besitze als Folge dieser Krankheit die geistigen Kapazitäten einer 13- oder 14-Jährigen, zitierte die Zeitung "Plain Dealer" einen Polizeivertreter.

Die Familien der Verdächtigen wiesen die Anschuldigungen unterdessen als "lächerlich" zurück.