Generation Porno? Nein.

Wie halten es Jugendliche mit dem Sex? Eine neue Studie belegt: Ihre Einstellung zu dem Thema ist eher konservativ. Außerdem fragt der Nachwuchs die Eltern und kennt sich bei der Verhütung aus.

Immer früher, immer öfter, von der sexuellen Zügellosigkeiten im Internet verdorben - um Jugendliche und den ersten Sex ranken sich viele Vorurteile. Doch die Wahrheit ist eine andere: Der Nachwuchs ist viel zurückhaltender. Auch spielt Verhütung eine wichtige Rolle. Und, was noch erstaunt: Rat wird vor allem im Elternhaus eingeholt. Das sind die Ergebnisse der neuen Studie "Jugendsexualität 2015" der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), die auch das Verhalten von Jugendlichen aus Einwandererfamilien untersucht hat. Dazu Fragen und Antworten.

Der erste Sex - in welchem Alter ist es soweit?

Von den Mädchen mit deutscher Herkunft haben mit 19 Jahren bereits 90 Prozent das "erste Mal" erlebt, während es bei den gleichaltrigen Frauen mit ausländischen Wurzeln nur 61 Prozent sind. Jungs machen oft später ihre ersten Erfahrungen: Mit 19 Jahren hatten erst 73 Prozent der deutschen und 70 Prozent der Jugendlichen mit Migrationshintergrund Sex . Ein immer früherer Verkehr bestätige sich nicht, betonte Heidrun Thaiss, Leiterin der Bundeszentrale. Insgesamt wurden für die Analyse 5750 Jugendliche zwischen 14 und 25 Jahren interviewt. Gerade mal sechs Prozent der 14-Jährigen hat schon einmal Geschlechtsverkehr gehabt.

Warum sind Jugendliche zurückhaltend?

Eine feste Partnerschaft ist jungen Menschen beim "ersten Mal" wichtig. Deshalb ist laut Studie bei allen Jugendlichen das Fehlen des oder der "Richtigen" der Hauptgrund für die Zurückhaltung. Bei Migrantinnen kommen moralische oder religiöse Erwägungen noch hinzu. So sagen 28 Prozent, vor der Ehe miteinander zu schlafen, sei nicht richtig. Bei den deutschen Mädchen sind es nur vier Prozent. Insgesamt, so Thaiss, habe es in den letzten zehn Jahren ein Bewusstseinswandel gegeben. Werte wie Treue hätten wieder einen höheren Stellenwert.

Wie steht es um die Verhütung?

Die Jugendlichen sind ausgesprochen umsichtig und kenntnisreich geworden. 1980 verhüteten 29 Prozent der Jungen und 20 Prozent der Mädchen beim "ersten Mal" gar nicht, heute sind es nur noch sechs beziehungsweise acht Prozent. Auch bei Jugendlichen mit ausländischen Wurzeln ging die Zahl der "Nichtverhüter" deutlich zurück. Zudem sprechen insgesamt 90 Prozent mit ihrem Partner über das Thema. Benutzt werden vor allem Kondome, was auch damit zu tun hat, dass es ein Bewusstsein für Krankheiten wie HIV gibt.

Wer spielt bei der Aufklärung eine besondere Rolle?

Am meisten vertrauen die Jugendlichen immer noch dem Elternhaus . So sagen 63 Prozent der Mädchen und 51 Prozent der Jungen deutscher Herkunft, dass sie mit ihren Eltern über Verhütung sprechen. Freilich sind es nur 41 Prozent der Mädchen und 36 Prozent der Jungen mit ausländischen Wurzeln. Auch der Sexualkundeunterricht in der Schule ist vielen wichtig - vor allem den Jungs.

Die Studie findet sich im Netz unter www.forschung .

sexualaufklaerung.de