Gelb regiert die Welt

New York. Sie haben ihre eigenen Briefmarken und werden, Weltstars schwärmen für sie. Welche Serienstars können das schon von sich sagen? "Die Simpsons" sind prominenter als mancher nichtgezeichnete Kollege. Um sie entstand eine ganze Subkultur, und obwohl sie oft totgesagt wurden, flimmern sie seit mehr als 20 Jahren über die Bildschirme in Dutzenden Ländern

New York. Sie haben ihre eigenen Briefmarken und werden, Weltstars schwärmen für sie. Welche Serienstars können das schon von sich sagen? "Die Simpsons" sind prominenter als mancher nichtgezeichnete Kollege. Um sie entstand eine ganze Subkultur, und obwohl sie oft totgesagt wurden, flimmern sie seit mehr als 20 Jahren über die Bildschirme in Dutzenden Ländern. Heute läuft in den USA die 500. Folge.Die Serie fing als Lückenfüller der Comedy-Sendung "Tracey Ullman Show" an. Die wurde 1990 abgesetzt, aber ein Jahr vorher hatten sich die "Simpsons" selbstständig gemacht - und das sofort mit Erfolg. Dem Sender Fox verhalfen sie zum Aufstieg, den Erfinder Matt Groening machten sie zur Kultfigur. Der hatte sich, inklusive der Namen, an seiner eigenen Familie orientiert und einen Mikrokosmos geschaffen, mit dem alle Teile der Gesellschaft aufs Korn genommen wurden.

Da sind der zynische Arzt, der oberflächliche Journalist, der gierige Kapitalist und der frömmelnde Nachbar. Irgendwie kann man jeden - natürlich auch sich selbst - unter den Springfield-Bewohnern wieder finden. Keiner bleibt ungeschoren. Ein paar Deutsche etwa werden in einer Halloween-Folge von einem menschenfressenden Homer verschlungen: "Was haben wir Deutschen denn getan, dass wir so etwas verdienen?", klagt ein Lederhosenträger. Kurzes Nachdenken. "Ach ja, stimmt ja!"

Zum Trost: Die Folge "Burns Verkaufen der Kraftwerk" (hieß tatsächlich so) ist ein Werbefilm für Deutschland. Vor einem Jahr spielte ein Deutscher einen integren Pharma-Unternehmer. Die Stimme lieh der Filmemacher Werner Herzog, den man nicht in einer US-Trickserie erwarten würde. Aber Stars reißen sich darum, bei den Simpsons aufzutauchen. Als Groening jüngst seinen Stern auf dem "Walk of Fame" in Hollywood bekam, zählte er ein paar auf: "James Brown, Johnny Cash, George Harrison, Bob Hope, Michael Jackson, Elizabeth Taylor - und das sind nur die Toten!" 2003 sprach mit Tony Blair sogar ein amtierender Regierungschef sich selbst.

Nicht schlecht für "Kinderfernsehen". Denn als solches sehen viele die "Simpsons" immer noch an. Zu ihrer Verteidigung: Selbst Groening sagte kürzlich: "Ich dachte mir, dass es bei Kindern ankommt. Aber ich war nicht sicher, ob Erwachsene darauf abfahren." Sie tun es, und mit 23 Staffeln sind die "Simpsons" die am längsten laufende Fernsehserie im Abendprogramm.

Dabei stößt die Serie immer wieder auf Widerstand. In muslimischen Ländern und auch in Russland gab es Versuche, die Simpsons zu verbieten. Schließlich verderbe es die Jugend, wenn homosexuelle Charaktere auftauchen oder Diktatoren verulkt werden. Auch in den USA stand die Zukunft der Serie schon auf Messers Schneide. Von den einst 8,7 Millionen Zuschauern hat die Serie ein Fünftel verloren. Kritiker sagen, die Zeit der "Simpsons" sei vorbei. Mittlerweile gebe es viel bissigere Serien.

Hinzu kommen interne Querelen über Gagen: Die Hauptsprecher bekamen bis vor kurzem 400 000 Dollar (fast 300000 Euro) für jede 23-Minuten-Folge. Damit waren die sechs die bestbezahlten Schauspieler, die nie jemand sieht. Nach einer Gehaltskürzung von fast einem Drittel wurden dann doch die 24. und die 25. Staffel bestellt.

Über den Inhalt der Jubiläumsfolge wird kräftig spekuliert. Einiges ist schon bekannt, etwa ein Auftritt von "Wikileaks"-Kopf Julian Assange. Klar sein dürfte auch, dass kräftig angestoßen wird. Oder wie Homer einst sagte: "Auf den Alkohol! Ursache und Lösung all unserer Probleme!"