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Experten mit Ratschlägen zur Glücksspielsucht

Telefonaktion Glücksspielsucht : „Spielhallen ziehen mich magnetisch an“

Experten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung beantworteten Fragen zur Spielsucht.

Wenn ein Mensch süchtig nach Glücksspiel ist, kann das nicht nur ihn selbst, sondern seine ganze Familie in finanzielle Not stürzen. Wie lässt sich diese Sucht überwinden? Hier die Antworten der Beraterinnen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Spielhallen ziehen mich magnetisch an. Warum ist das so? Wie komme ich los von den Automaten?

Möglicherweise verspüren Sie so etwas wie innere Leere, Langeweile. Und Sie suchen unbewusst den Kick, der für Sie schöne Gefühle auslöst, die vielleicht sonst in Ihrem Leben in dieser Intensität selten sind. Oder Sie haben den Eindruck, dass Sie mit dem Spiel ein Stück aus der Realität aussteigen. Das ist aber nur eine mögliche Erklärung für die magnetische Wirkung der Spielhalle auf Sie. Es gibt sicher weitere. Um die Ursachen der Spielsucht zu erforschen und Strategien zu entwickeln, Wünsche und Sehnsüchte auf andere Weise zu erfüllen, sind Suchtberatungsstellen der richtige Anlaufpunkt. Diejenigen, die sich auf die Behandlung von Spielsucht spezialisiert haben, finden Sie im Internet unter www.check-dein-spiel.de.

Unser Sohn beschäftigt sich jeden Abend mit Sportwetten. Dabei hat er viel Geld verloren. Nun will er sich von uns etwas borgen, damit er Benzin kaufen kann, um zur Arbeit zu kommen. Sollen wir ihm ausnahmsweise etwas geben?

Einem Spielsüchtigen Geld zu borgen ist in etwa das Gleiche, als wenn Sie einem Heroinabhängigen den Stoff besorgen. Nein, borgen Sie Ihrem Sohn auf keinen Fall Geld. Wenn er nicht mit den Folgen seines exzessiven Glücksspiels konfrontiert wird, wird er es nicht als Problem erkennen und keinen Anlass sehen, mit den Sportwetten aufzuhören. Wenn er sein Benzingeld verspielt hat, muss er eben laufen oder das Rad nehmen oder sich etwas anderes einfallen lassen. Es ist sein Problem, nicht Ihres.

Ich bin sehr gern in der Spielhalle. Nicht wegen der Automaten, die Atmosphäre ist sehr angenehm, die Mitarbeiter sind freundlich. Was ist daran falsch?

Vielleicht zählen Sie einmal zusammen, wie viel Geld Sie pro Monat in der Spielhalle lassen. Ist Ihnen die nette Atmosphäre so viel wert? Man sollte sich auch nichts vormachen. Das Personal ist angehalten, freundlich zu sein, denn sie wollen Ihr Geld. Mit menschlicher Wärme hat das oft wenig zu tun. Die findet man eher woanders, wie zum Beispiel bei Freunden oder Verwandten, mit einem Ehrenamt oder in einem Verein.

Kann man das Spielen Schritt für Schritt lassen, also nur noch zweimal, dann nur noch einmal pro Woche zu den Automaten gehen?

Nein, bei jedem neuen Spiel fallen Sie in die alten Verhaltensmuster zurück. Denken Sie an einen Alkoholiker, dem man immer wieder ein Glas Bier hinstellt... Sie müssen komplett aufhören. Beratungsstellen, die sich auf Glücksspielsucht spezialisiert haben, sind die richtigen Orte, um das Problem anzugehen. Die Beratung ist kostenlos. Die Experten unterliegen der Schweigepflicht.

Nach einer Therapie habe ich nicht mehr gespielt. Doch letzte Woche kam ich nicht am Casino vorbei … Viel Geld ist weg. Wie kann ich so etwas in Zukunft verhindern?

Überlegen Sie: Was hilft mir, das Geld vor mir zu retten? Sollte ich mein Geld von meiner Frau verwalten lassen? Außerdem rate ich Ihnen, Ihren damaligen Therapeuten erneut aufzusuchen. Rückfälle sind bei Spielsucht - wie bei allen Süchten - nicht selten. Zur Stabilisierung können Sie sich zusätzlich einer Selbsthilfegruppe anschließen.