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Erster Verurteilter der Ära „MeToo“: Bill Cosby ein Jahr im Gefängnis

Bill Cosby ein Jahr im Gefängnis : Der erste Verurteilte der Ära „MeToo“

Einst war Bill Cosby ein Superstar. Seit genau einem Jahr sitzt er als verurteilter Sexualstraftäter im Gefängnis. Reue zeigt er nicht. Der 82-Jährige fühlt sich unschuldig.

Sport und Ansprachen an seine Mithäftlinge bestimmen dieser Tage den Alltag von Bill Cosby. „Extrem gut“ gehe es dem 82-jährigen früheren Comedian und Schauspieler in der Anstalt „SCI Phoenix“ im US-Bundesstaat Pennsylvania, ließ sein Sprecher Andrew Wyatt über US-Medien ausrichten. Cosby halte unter anderem motivierende Reden vor Selbsthilfegruppen in dem Gefängnis mit rund 2400 Insassen, oder berate Mitinsassen individuell. „Er ist sehr beliebt. Viele wollen einfach nur mit ihm sprechen.“ Außerdem treibe Cosby Sport, mache zum Beispiel Beinübungen und Sit-ups. „Er sieht großartig aus. Er wiegt nur noch 85 Kilogramm. Er hat mir gesagt, dass er alle seine Anzüge wieder anziehen will, wenn er raus ist.“

Einst war Bill Cosby Schauspieler, Comedian und Amerikas Vorzeige-Vater, jetzt ist er eine Nummer. Als Insasse „NN7687“ sitzt der fast blinde frühere Superstar seit seiner Verurteilung wegen sexueller Nötigung seit einem Jahr im Gefängnis. Mehr als 60 Frauen hatten Cosby sexuelle Übergriffe unterschiedlicher Art vorgeworfen. Im Prozess ging es um einen einzigen Fall aus dem Jahr 2004. Die Jury sah es als erwiesen an, dass Cosby die aus Kanada stammende Universitätsangestellte Andrea Constand mit Tabletten hilflos gemacht und dann sexuell genötigt hatte. Mindestens zwei weitere Jahre muss Cosby noch absitzen, bevor ihm vorzeitige Entlassung gewährt werden könnte. Im Höchstfall könnten es zehn Jahre werden.

Das Urteil hatte auch Signalwirkung: Cosby gilt als der erste berühmte Verurteilte der Ära „MeToo“, der weltweiten Bewegung gegen sexuelle Belästigung von Frauen – auch wenn er die Höhepunkte seiner Karriere in einer Zeit lange vor „MeToo“ feierte. Die Me-Too-Bewegung begann 2017, als Anschuldigungen gegen den Hollywood-Mogul Harvey Weinstein veröffentlicht wurden – und eine ganze Welle solcher Anschuldigungen weltweit in vielen Branchen auslösten. Den Job haben dadurch schon viele mächtige Männer verloren, die juristische Aufarbeitung zieht sich hin. Der Prozess gegen den gestürzten Hollywood-Mogul Weinstein soll 2020 starten, auch gegen den Musiker R. Kelly laufen ernsthafte Ermittlungen. Eine wichtige Errungenschaft von „MeToo“ dabei, so sagen Experten: Dass den – meist, aber bei weitem nicht immer weiblichen – Opfern endlich richtig zugehört werde und es nicht mehr den Anschein habe, als hätten die mächtigen Superstars die Justiz sowieso von vornherein schon auf ihrer Seite.

Der Verurteilte Cosby zeigt sich allerdings alles andere als reumütig. Der Mann, dessen Lebenswerk unter anderem als Star der „Bill Cosby Show“ längst überschattet scheint, hat Berufung gegen das Urteil eingelegt. Er sei unschuldig und empfinde „keine Reue“, hieß es.