1. Nachrichten
  2. Panorama

Erster Ebola-Fall in New York

Erster Ebola-Fall in New York

Ebola hat eine weitere Grenze übersprungen und ein sechstes Land in Westafrika erreicht. In Mali wurde ein kleines Mädchen positiv getestet. In New York ist ein Arzt erkrankt.

Die Europäische Union verdoppelt ihre Hilfen zur Bekämpfung der Ebola-Epidemie in Westafrika auf etwa eine Milliarde Euro. Das Geld ist vor allem für die Patientenversorgung, medizinische Ausrüstung und Ausreisekontrollen vorgesehen, wie die EU-Regierungschefs gestern zum Abschluss ihres Gipfels erklärten.

Unterdessen ist in New York ein amerikanischer Arzt an der tödlichen Virusinfektion erkrankt, der für "Ärzte ohne Grenzen " in Guinea tätig war. Es ist der vierte Ebola-Fall in den USA. Der New Yorker Patient ist der dritte internationale Mitarbeiter von "Ärzte ohne Grenzen ", der sich seit Beginn des Ebola-Einsatzes im März in Westafrika infizierte. Der Mediziner hatte sich nach verdächtigen Symptomen nach seiner Rückkehr aus Guinea in New York gemeldet und war positiv auf Ebola getestet worden. Wie es trotz strikter Schutzmaßnahmen zu der Infektion kommen konnte, sei noch nicht klar.

Die Epidemie hat inzwischen auch Mali erreicht. In dem Sahelland ist ein zweijähriges Mädchen infiziert, das zuvor in Guinea war. Das malische Gesundheitsministerium teilte mit, die Familie des Ebola-kranken Mädchens habe vorbildlich gehandelt, indem sie über eine Krankenschwester frühzeitig den Ebola-Notruf wählte. Das Kind wird in der Stadt Kayes, 600 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bamako, unter Quarantäne behandelt. Sein Zustand soll sich gebessert haben. Dutzende Kontaktpersonen stehen unter Beobachtung.

Die saarländischen Kommunen Bous und Püttlingen sind mit Gemeinden in Mali durch Entwicklungs-Partnerschaften verbunden. Mali ist das sechste Land, das die Epidemie erreicht hat. Mali grenzt im Süden an Guinea , das neben Liberia und Sierra Leone zu den Ländern gehört, in denen das Virus am schlimmsten wütet. Seit dem Ausbruch im Dezember starben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation 4877 Menschen, insgesamt wurden 9936 I nfektionen registriert. Der Senegal und Nigeria wurden inzwischen für Ebola-frei erklärt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschleunigt die Suche nach einem Ebola-Impfstoff. Eine Massenimpfung gegen das Virus in Westafrika könne aber frühestens Mitte 2015 anlaufen, erklärte die beigeordnete WHO-Generaldirektorin Marie-Paule Kieny in Genf. Zunächst müssten zwei potenzielle Impfstoffe auf Sicherheit und Wirksamkeit geprüft werden. Auch in Deutschland werden klinische Studien vorbereitet.

Nach dem Willen der EU-Regierungschefs fungiert der neue EU-Kommissar für humanitäre Hilfe, Christos Stylianides aus Zypern, künftig als Ebola-Koordinator. Er tritt sein Kommissarsamt am 1. November an. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU ) unterstrich, bei der Unterstützung für die Ebola-Länder gehe es nicht nur um finanzielle Hilfe: "Deutschland trainiert zurzeit eine Vielzahl von Ärzten und Krankenschwestern, die dann auch in Westafrika eingesetzt werden können." Merkel bezeichnete die Ebola-Krise als "eine außergewöhnliche Herausforderung für die gesamte Menschheit".

In Liberia steigt die Zahl der Neuinfektionen, obwohl die Menschen ihr Verhalten änderten und Körperkontakt vermeiden. Unicef will in den Ebola-Krisenländern seine Bestände an Leichensäcken auf 25 000 Exemplare aufstocken.